Es fühlt sich gut an, wenn....
Lebensmittel aus der Region sind,
frisch gekochtes und qualitativ hochwertiges Essen zubereitet wird,
Sie in einem kuscheligen Bett in landestypischen und natürlichen Materialen träumen,
Souvenirs an eine schöne Zeit erinnern die in der Umgebung erzeugt wurden,
das Umfeld zu Fuß, mit Pferd, Kanu, Fahrrad, Lama,... erkundet wird,
die Freiheit und Ruhe Begleiter in einer einmaligen Kulisse ist,
man sich Willkommen und wie in einer großen Familie fühlt,
Sie sich weiterentwickeln und das Gelernte zu Hause umsetzen,
zum Erhalt einer intakten Natur und Kulturlandschaft beitragen wird.
Mein Geld belebt die lokale Wirtschaft und gibt den Menschen vor Ort ein faires Einkommen!
Darf ich mich vorstellen

Berge und Meer – Weitwandern auf Korsika
Endlich begann an einem schönen Frühlingstag im Mai meine Reise nach Korsika, von der ich seit vielen Jahren geträumt hatte. Schon lange zog mich diese wilde, grüne Mittelmeerinsel in ihren Bann. Schroffe Berge mit Gipfeln weit über 2.000 Metern, einsame Buchten, karibisch anmutende Strände und charmante Bergdörfer prägen die Landschaft ebenso wie geschichtsträchtige Küstenorte. Umso unwirklicher fühlte es sich an, tatsächlich mit Zug und Fähre dorthin unterwegs zu sein.
Grob gerechnet passt „Kallisté“ – „die Schönste“, wie sie von den Griechen genannt wurde, mit einer Fläche von rund 8.700 km² knapp drei Mal in das weiter südlich gelegene Sardinien hinein. Dank der unwegsamen Landschaft blieb Korsika von großen Abholzungen und starker Industrialisierung verschont. Es zählt heute zu den wald- und wasserreichsten Inseln im Mittelmeer.
Ich wanderte mit zwei sportlichen Freundinnen in 10 Etappen Teilstücke des Mare è Monti, des Mare à Mare Nord und eine Etappe des GR20 Weitwanderweges, sowie diverser Verbindungs- und Alternativwege. Außerdem ergänzten mehrere Küstenwanderungen unsere Reise.
Dieser Artikel nimmt dich mit auf meine persönliche Entdeckungsreise durch die beeindruckende Berg- und Küstenlandschaft Korsikas.
INHALT
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2. Etappe: Durch verwunschene Wälder in Bonifatu zum türkisblauen Fango
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4. Etappe: Von der wilden Küstenlandschaft in Girolata zum Strand von Bussaglia
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7. Etappe: Von den Kastanienwäldern in Evisa zum Col de Vergio ins Hochgebirge
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8. Etappe: Vom Col de Vergio zum Refuge de Manganu im Hochgebirge unterwegs
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9. Etappe: Vom Refuge Manganu ins Tavignano-Tal zum Refuge de la Sega
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10. Etappe: Vom Refuge de la Sega zurück in die Zivilisation nach Corte
In Calvi ankommen
Unsere Tour startete in Calvi, das wir mit dem Zug von Bastia erreicht haben. Die Stadt mit ihren über 5.000 Einwohnern wird von einer imposanten Zitadelle geprägt, die sich an einen sichelförmigen Sandstrand schmiegt und so eine perfekte Urlaubskulisse bildet. Am Hafen befindet sich eine autofreie Flaniermeile, an der sich Boutiquen, Restaurants, Feinkostläden und Bars aneinanderreihen.

Innerhalb der Festungsmauern finden sich die Kirche Saint-Jean-Baptiste, verwinkelte Gassen sowie das angebliche Geburtshaus von Christoph Kolumbus.
Ob der berühmte Seefahrer tatsächlich in Calvi geboren wurde, bleibt allerdings umstritten.

Von der Zitadelle aus hat man immer wieder einen herrlichen Blick auf das Meer und die korsische Bergwelt.



Von Calvi aus lassen sich mehrere Wanderungen direkt vor Ort unternehmen. Beispielsweise zum Strand Plage d'Alga oder weiter zum Leuchtturm Revellata auf der gleichnamigen Halbinsel.
Eine andere Tageswanderung führt zum „Hausberg" von Calvi, dem Capu di a Veta mit rund 700 Höhenmeter. Eine kürzere Wanderung, aber ebenfalls mit Traumpanorama erhält man, wenn man bis zur Wallfahrtskirche Kapelle Notre Dame de la Serra marschiert.

Der Strand von Calvi kann in der Nebensaison mitunter etwas ungepflegt wirken. Winterstürme schwemmen jedes Jahr große Mengen von Seegras an Land. Ökologisch ist das sehr wertvoll, denn die Posidonia Seegraswiesen gelten als wichtige „Lunge“ des Mittelmeers. Sie schützen die Küsten vor Erosion und binden Kohlenstoff.
1. Etappe: Von Calenzana nach Bonifatu
Der legendäre Mare è Monti führt von Calenzana nach Cargèse. Wir wanderten auf dem über 100 Kilometer langen Fernwanderweg von Calenzana bis nach Evisa.
Das „Dorf der Heiligen“, wie Calenzana liebevoll genannt wird, erreichten wir von Calvi aus mit dem Taxi. Der Ort verdankt seinen Beinamen den zahlreichen religiösen Stätten und ist zugleich Ausgangspunkt des berühmten Fernwanderwegs GR20. Er zählt zu den anspruchsvollsten Fernwanderwegen Europas und führt durch das korsische Hochgebirge.


Am Ortsrand ging der Weg nahtlos in die blühende korsische Macchia über. Im Mai zeigt sie sich von ihrer schönsten Seite, denn entlang unseres Weges leuchteten die Blüten mal in Weiß, mal in Gelb oder Lila. Vor allem die Zistrosen tauchten die Landschaft in zarte Rosa- und Lilatöne. Die korsische Macchia ist weit mehr als nur „Buschland“: Sie gilt als eines der artenreichsten Ökosysteme des Mittelmeerraums und ist Heimat zahlreicher Pflanzenarten wie Rosmarin, Lavendel, Ginster, Zistrosen, Myrte und wildem Fenchel.

Der erste größere Anstieg führte uns hinauf zum Bocca u Corsu auf etwa 586 Metern Höhe. Von dort genossen wir einen traumhaften Ausblick auf die Bucht von Calvi und den markanten Hausberg der Region, den Capu di a Veta.

Nach und nach wechselte die Landschaft von der offenen Macchia in einen mediterranen Wald. Schließlich führte uns eine breite Forststraße sanft bergab zum Fluss La Figarella, wo wir unsere Mittagspause auf den glatt geschliffenen, sonnengewärmten Felsen verbrachten und ein erfrischendes Kneippbad nahmen. Eiskalt, aber herrlich belebend.

Am Nachmittag ging es weiter bergauf durch schattigen Wald. Immer wieder öffneten sich Blicke auf die tief eingeschnittene Schlucht der Figarella. In der Ferne tauchte schließlich sogar der noch schneebedeckte Capu a u Carrozzu mit seinen 2.139 Metern auf, ein beeindruckender Kontrast aus Mittelmeerlandschaft und Hochgebirge.


In Serpentinen arbeiteten wir uns langsam nach oben, bis wir schließlich wieder eine Straße erreichten. Das letzte Stück bis zu unserer Unterkunft, der Auberge de la Forêt, verlief entlang der Straße hoch über dem mittlerweile tief unter uns fließenden Fluss.

Tageskilometer: ca. 12 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 540
Höhenmeter hinunter: ca. 300
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
2. Etappe: Durch verwunschene Wälder in Bonifatu zum türkisblauen Fango
Langsam stellte sich bei mir das typische Wandergefühl ein: den ganzen Tag an der frischen Luft unterwegs zu sein, mit wenig Ablenkung, und abends eine angenehm wohltuende Müdigkeit zu spüren.
Das erste Drittel der Etappe hatte es in sich, denn es ging stundenlang stetig bergauf. Doch der Weg machte jede Anstrengung wett. Wir wanderten durch einen verwunschen wirkenden Wald, mit moosbewachsenen Felsen und alten Bäume. Je höher wir kamen, desto mehr Alpenveilchen säumten den Weg. Mit zunehmender Höhe öffneten sich immer wieder fantastische Ausblicke zurück auf die Bucht von Calvi und den Fluss La Figarella.


Später erreichten wir den Bocca di Bonassa, einen wichtigen Übergang während der Transhumanz, der saisonalen Wanderung der Hirten mit ihren Herden.
Ab hier begann der lange Abstieg mit mehr als 1.200 Höhenmeter hinunter Richtung Küste. Der Weg führte größtenteils durch abwechslungsreiche Wälder.
Mal dominierten Steineichen, dann wieder hohe Kiefern oder bizarre Gehölze, die mit Flechten überzogen waren.

Der Weg hinunter zog sich, blieb aber angenehm zu gehen. Mal liefen wir über weichen Waldboden, dann wieder über steinige Passagen mit kleinen und größeren Felsblöcken.
Als wir schließlich den Fango bei Tuarelli erreichten, wartete noch ein Highlight auf uns.
Der Fango gilt als einer der schönsten Flüsse Korsikas und gehört seit 1977 zum UNESCO-Biosphärenreservat. Sein Wasser entspringt in den Bergen rund um den Capu Tafunatu auf über 2.300 Metern Höhe und fließt durch eine außergewöhnlich artenreiche Landschaft bis ans Mittelmeer.
Das Wasser wirkte unwirklich klar. Türkise Badegumpen wechselten sich mit flachen Kiesbänken und schmalen Schluchten ab. Die umliegenden Felsen schimmerten in Rosa-, Grün-, Grau- und Weißtönen.

Das Wasser war zwar wärmer als am Vortag am Fluss Figarella, aber immer noch frisch genug für einen ordentlichen Kälteschrei. Kurz vor Ende der Etappe erreichten wir schließlich noch die alte Steinbogenbrücke Ponte Vecchiu, welche sich in die wilde Flusslandschaft einfügt.



Am frühen Abend wurden wir dort von einem Taxitransfer abgeholt und nach Galéria, unserem heutigen Etappenziel, gebracht.

Tageskilometer: ca. 20 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 830
Höhenmeter hinunter: ca. 1.360
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
3. Etappe: Von Galeria zu Kühen am Strand in Girolata
Zunächst führte unser Weg durch Galeria und später hinein in die typische korsische Macchia. Immer wieder kreuzten kleine Flüsse unseren Weg.
Neben den beeindruckenden Landschaften waren es oft die unscheinbaren Begegnungen, die unsere Etappe besonders machten. Sei es das Quaken der Frösche, die umherwuselnden Eidechsen oder ein Dungkäfer, der seine perfekt geformte Kugel über den Weg rollte. Beim Wandern nehme ich persönlich die Natur besonders intensiv wahr und staune immer wieder über die kleinen Dinge des Lebens.


Der Weg führte stetig bergauf, glücklicherweise meist im Schatten des Waldes. Mit jedem Höhenmeter wurden die Bäume größer und eindrucksvoller. Besonders die alten Steineichen mit ihren verdrehten Stämmen wirkten wie aus einem Fantasyfilm entsprungen.


Am höchsten Punkt, der Punta di a Literniccia auf 784 Metern, angekommen wurden wir mit spektakulären Ausblicken auf die Westküste und tief hinein in das korsische Bergland belohnt.

Der weitere Weg nach Girolata bot einige der schönsten Ausblicke der bisherigen Reise: rote Felsformationen, schroffe Küsten und weite Panoramen von den Calanche de Piana bis hin zum berühmten Naturreservat Scandola. Die roten Granitfelsen gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe und zählen zu den eindrucksvollsten Landschaften Korsikas.


Die Halbinsel mit ihren über 900 Hektar Landfläche und rund 1.000 Hektar geschützter Meeresfläche darf nicht betreten werden und bietet zahlreichen Tierarten einen ungestörten Lebensraum.
Zu den Bewohnern zählen unter anderem Fledermäuse, Fischadler, Kormorane und Steinadler, die hier ideale Bedingungen vorfinden.
Doch nicht nur die Fauna ist bemerkenswert: Die mediterrane Vegetation beeindruckt unter anderem mit blühendem Heidekraut, Erdbeerbäumen und Steineichenbeständen.
In Girolata angekommen lagen einige Kühe entspannt am Strand. Der Ort selbst wirkt wie aus der Zeit gefallen. Er liegt abgeschieden in einer geschützten Bucht und ist bis heute nur zu Fuß oder per Boot erreichbar. Hoch über dem Ort erhebt sich ein genuesisches Fort aus dem 16. Jahrhundert, das einst zum Schutz der Küste errichtet wurde. Anders als die typischen korsischen Wachtürme handelt es sich hier tatsächlich um eine kleine Festung, die der Bucht bis heute ihr charakteristisches Erscheinungsbild verleiht.


Tageskilometer: ca. 13 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 760
Höhenmeter hinunter: ca. 780
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
4. Etappe: Von der wilden Küstenlandschaft in Girolata zum Strand von Bussaglia
Wir nahmen eine Alternativ-Wanderweg zum Mare è Monti Weitwanderweg und trafen im Dorf Serria wieder auf diesen. Die ersten Stunden der heutigen Etappe folgten dem „Chemin du Facteur“ bis zum Col de la Croix.
Früher wurden über diese abgelegenen Wege tatsächlich Postsendungen in diesen schwer erreichbaren Küstenort transportiert.
Immer wieder stiegen wir hinauf, nur um kurz darauf wieder abzusteigen. Doch genau dieses ständige Wechselspiel machte den Reiz dieser Wanderung aus. Hinter jeder Kuppe eröffnete sich ein neuer Blick auf das Meer, schroffe Felsen oder versteckte Buchten.
Unser erster längerer Halt war die Plage de Tuara, ein traumhafter, abgelegener Strand mit kristallklarem Wasser. Der Blick zurück auf Girolata und die roten Felsen des Naturreservats Scandola war spektakulär.


Immer wieder begegneten uns entlang des Weges Kühe. Allerdings haben diese wenig mit den kräftigen Weidekühen aus den Alpen gemeinsam. Die korsischen Rinder dieser Region sind deutlich kleiner, schlanker und unglaublich trittsicher. Sie bewegen sich fast wie Gämsen durch die steile Macchia und suchen selbst zwischen Felsen und dichtem Gestrüpp nach Nahrung.
Nach dem Aussichtspunkt Col de la Croix kamen wir am Dorf Osani vorbei und hatten entlang des Pfades immer wieder grandiose Ausblicke.
Genau das liebe ich am Weitwandern: Man erkennt die Strecke, die bereits hinter einem liegt, und gleichzeitig sieht man die kommenden Etappen vor sich.
Das Panorama wirkte kitschig schön: türkisblaues Meer, rote Felsen, grüne Macchia und dahinter die korsischen Berge.

Nach der Traumaussicht folgte allerdings ein anspruchsvoller Abstieg hinunter zur Plage de Gradelle. Hier wurde früher Anthrazitkohle abgebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Region einen kleinen Kohleboom, weshalb eine mehrere Kilometer lange Transportstraße angelegt wurde, um die Kohle zum Strand zu bringen und von dort per Schiff weiter zu transportieren. Heute erinnert kaum noch etwas daran, denn die Natur hat sich das Gebiet weitgehend zurückerobert.
Nach einer weiteren Bergauf-und-Bergab-Passage erreichten wir schließlich den Strand von Caspiu. Auch hier konnten wir einer kurzen Erfrischung im Meer nicht widerstehen.

Unterwegs kamen wir an alten Dreschplätzen vorbei. Darunter versteht man kreisförmige Steinflächen, auf denen bis in die 1950er Jahre Getreide verarbeitet wurde.
Damals zogen Ochsen schwere Steine im Kreis, um die Körner aus den Ähren zu lösen.

Das letzte Teilstück führte uns über einen sehr steilen Pfad hinauf zur Straße, der wir ein Stück folgten, bevor uns ein schmaler Weg hinunter zum Strand von Bussaglia führte, wo unsere Etappenunterkunft mit einem schmackhaften Abendessen auf uns wartete.

Tageskilometer: ca. 18 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 850
Höhenmeter hinunter: ca. 850
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
5. Etappe: Von Bussaglia ins Landesinnere nach Ota
Die heutige Etappe führte uns aus der Region Porto hinauf ins Hinterland. Der Einstieg verlief zunächst unspektakulär entlang einer Straße und später über eine Forststraße.
Der nächste Abschnitt führte durch einen Wald, welcher immer wieder kleine Fenster mit Blick auf das Bergdorf Serriera, die umliegenden Berge und die allmählich in der Ferne verschwindende Küste freigab.

Auf etwa 1.000 Metern Höhe, nahe des Gipfels Capu San Petru, veränderte sich die Vegetation deutlich.
Hier standen beeindruckend hohe Schwarzkiefern, deren mächtige Silhouetten die Landschaft prägten.

Nach dem Aufstieg folgte ein anspruchsvoller Abstieg. Diesmal führte er uns durch die Schlucht Vitrone. Die Landschaft wurde zunehmend dramatischer: steil aufragende, leuchtend rote Felswände aus dem Vulkangestein Porphyr, zerklüftete Formationen und ein ständig wechselndes Spiel aus Licht und Schatten.


Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich Ota, ein kleines Bergdorf, das sich malerisch an einen Hang schmiegt und von zwei Gebirgsketten eingerahmt wird. Typisch für die korsischen Dörfer prägen alte Granithäuser das Ortsbild. Besonders auffällig war die üppige Vegetation: Jasmin, Oleander und Bougainvillea blühten in den Gassen und in den Obstgärten waren Kirschen reif.

Tageskilometer: ca. 13 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 1.150
Höhenmeter hinunter: ca. 880
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
6. Etappe: Von Ota über die Spelunca Schlucht nach Evisa
Die heutige Etappe führte am Weitwanderweg Mare à Mare zuerst talwärts. Wir folgten dem Fluss Porto, der an der Küste im gleichnamigen Ort ins Meer mündet, bis zum ersten großen WOW-Erlebnis des Tages: der Ponte Vecchiu. Diese genuesische Steinbrücke stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde, wie viele historische Bauwerke auf Korsika, während der Herrschaft der Republik Genua errichtet. Die Brücken dienten zur wirtschaftlichen Entwicklung der Insel. Über sie wurden unter anderem Kastanien, Olivenöl, Honig, Wachs und Getreide transportiert.
Für uns ging es weiter in Richtung Spelunca-Schlucht, wo wir eine weitere Doppelbrücke überquerten. Hier vereinigen sich die Wildbäche Tavulella und Lonca. Erst ab diesem Zusammenfluss trägt der Fluss den Namen Porto.

Auf alten Maultierpfaden wanderten wir durch die Schlucht, die einst die einzige Verbindung zwischen Küste und Hochland darstellte. Nach den verheerenden Unwettern von 2023 wurde sie heuer wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In der Spelunca Schlucht wechselten sich Trockensteinmauern, in den Fels gehauene Stufen und sorgfältig angelegte Pflasterungen mit schmalen Pfaden ab. Diese jahrhundertealten Bauwerke schützen den Weg bis heute ganz ohne Beton vor Erosion. Der Weg führte uns entlang des Tavulella-Flusses, mal direkt am Wasser, mal höher oben mit Blick in die Tiefe. Die Schlucht selbst ist spektakulär: steile, rot schimmernde Felswände ragen mehrere hundert Meter in die Höhe.



Ein weiteres Highlight war die Zaglia-Brücke, eine genuesische Steinbrücke aus dem 18. Jahrhundert.
Hier vereinen sich die Flüsse Tavulella und Aitone und bilden natürliche Badegumpen, in denen es sich im glasklaren und unglaublich erfrischenden Wasser baden oder kneippen lässt.
Nach der Schlucht begann mit dem schattigen Aufstieg nach Evisa der anstrengendste Teil des Tages. Bei Schönwetter genießt man von Evisa nochmals einen letzten Blick auf die rund 20 Kilometer entfernte Küste und den Capu d´Orto, dessen markanter Gipfel uns während der vergangenen Wandertage immer wieder begleitet hatte.

Tageskilometer: ca. 7 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 650
Höhenmeter hinunter: ca. 150
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
7. Etappe: Von den Kastanienwäldern in Evisa zum Col de Vergio ins Hochgebirge
Die Tage beginnen für mich persönlich beim Weitwandern immer früh. Ich liebe es, wenn die Sonne langsam über den Bergen aufsteigt, und die Landschaft Stück für Stück in ein warmes Licht taucht.

Wir lassen ab hier den Mare è Monti hinter uns und sind bis zum Col de Vergio und ab Etappe 10 (Refuge de la Sega - Corte), am Mare à Mare Nord unterwegs.
Der Einstieg in die heutige Etappe führte uns auf den Kastanienlehrpfad. Die Kastanie ist auf Korsika weit mehr als nur ein Baum. Sie war über Jahrhunderte hinweg ein zentrales Grundnahrungsmittel. Kastanienmehl ersetzte in vielen Regionen Getreide, weshalb man sie auch als „Brotbaum der Insel“ bezeichnet.


Zwischen den mächtigen Stämmen fühlte ich mich schnell winzig klein. Einige dieser Bäume sind mehrere hundert Jahre alt und stille Zeitzeugen einer Landschaft, die von Selbstversorgung und dem Leben in den Bergen geprägt wurde. Wer weiß, vielleicht hat tatsächlich schon Napoleon auf seinen Reisen durch Korsika unter einem dieser Bäume gerastet? Nach dem Kastanienlehrpfad öffnete sich das Tal zum Fluss Aitone, wo große, glatt geschliffene Granitblöcke und türkisgrüne Becken zu Badepausen einluden.


In diesem Abschnitt machten wir auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit den Prozessionsspinnerraupen. Diese Raupenart ist in Südeuropa verbreitet und bekannt dafür, in langen „Prozessionen“ hintereinander zu wandern. So faszinierend dieses Verhalten auch wirkt, die Tiere sind problematisch: Ihre Brennhaare können bei Menschen starke Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen und sie gelten zudem als Schädlinge, da sie Bäume befallen. Im Laufe des Tages begegneten uns mehrere dieser Raupenkolonnen, und auch in den folgenden Tagen sahen wir die Raupen sowie die Nester der Prozessionsspinnerraupen deutlich häufiger, als uns lieb war.

In der zweiten Tageshälfte folgte der lange Aufstieg Richtung Col de Vergio (1.477 Meter), dem höchsten Gebirgspass, der das Porto-Tal mit dem Niolu-Tal verbindet. Die Vegetation änderte sich dabei spürbar. Neben Kastanien- und Eichenwäldern dominierten die mächtigen Laricio-Kiefern, die zu den eindrucksvollsten Baumarten auf der Insel zählen. Einige Exemplare können rund 40 Meter hoch und mehrere hundert Jahre alt werden.


Dominant über dem Pass steht die monumentale Christkönigs-Statue, ein sechs Meter hoher und rund 25 Tonnen schwerer Granitmonolith.
Besonders beeindruckend war der Blick auf die noch schneebedeckten Gipfel der korsischen Hochgebirgsregion.



Von dort aus ging es weiter zur Bergerie Radule, einer traditionellen Schäferhütte, wie sie früher für die saisonale Weidewirtschaft genutzt wurde.
Der Weg dorthin war mit grünlich schimmernden Steilhängen, knorrigen Kiefern und dem Blick zum 2.525 Meter hohen Paglia Orba sehr abwechslungsreich.
Tageskilometer: ca. 15 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 910
Höhenmeter hinunter: ca. 340
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
8. Etappe: Vom Col de Vergio zum Refuge de Manganu im Hochgebirge unterwegs
Wie so oft auf dieser Reise kamen wir beim Frühstück ins Erzählen über das Leben, Entscheidungen und Wege, die nicht geradlinig verlaufen sind. Solche Gespräche sind schwer in Worte zu fassen, weil sie in einem ganz anderen Tempo stattfinden als der Alltag zuhause. Vielleicht ist es die Kombination aus Nähe, gemeinsamer Bewegung und der Einfachheit des Reisens, die solche offenen und tiefgründigen Gespräche unter uns Frauen möglich machte.
Unser heutiges Ziel war das Refuge de Manganu auf rund 1.600 Metern Seehöhe.
Die gesamte Etappe verläuft auf dem berühmten GR20 über das korsische Hochgebirge.
Der Weg dorthin führte zunächst durch einen wunderschönen Kiefernwald bergab, bevor wir wieder an Höhe gewannen und in einen alten Buchenbestand eintauchten.

Ab einer gewissen Höhe ließen wir die Baumgrenze hinter uns und verbrachten den restlichen Tag in offener Hochgebirgslandschaft mit phänomenalem Rundumausblick auf die höchsten Berge sowie auf die ferne Westküste.

Paglia Orba (2.525 Metern), das „Matterhorn“ von Korsika mit unserer Etappenunterkunft am Col de Vergio

Monte Cinto (2.706 Metern)
Am Bocca San Petru erreichten wir den ersten Pass des Tages. Ein kleines Oratorium markiert diesen Übergang, und gleichzeitig öffnet sich der Blick bis zur Westküste Richtung Cargèse. Ein beeindruckender Moment, in dem Meer und Hochgebirge gleichzeitig sichtbar werden.

Noch spektakulärer wurde es am zweiten Pass, dem Bocca à Reta (1.883 m): Rückblick auf die Calanche de Piana mit dem vertrauten Capu d’Orto und dem Ausblick in das südliche Gebirgsmassiv, das teilweise noch schneebedeckt war. Auch am Pass selbst fanden sich im Mai noch letzte Schneefelder und es blühten Krokusse.



Wir dachten nicht, dass noch etwas diese Traumaussicht toppen könnte, aber als der Lac de Nino in diesem Bergpanorama vor unseren Augen sichtbar wurde, da wussten wir, ja es kann noch etwas diese Aussicht steigern. Der rund 1.743 Meter hoch gelegene See liegt in der Hochebene Camputile und zählt zu den bekanntesten Seen der Insel. Er wirkt nicht wie ein klassischer Bergsee, sondern wie ein offenes nordisch anmutendes Feuchtgebiet mit weiten Wiesen, Wasserläufen und Moorflächen.

Am Fuße des Lac de Nino entspringt auch der Tavignano, einer der wichtigsten Flüsse Korsikas, der sich seinen Weg in Richtung Ostküste bahnt und uns bis Corte begleitete. Rund um den See weideten zahlreiche Rinder, die Teil eines traditionellen Weidesystems sind und diese Landschaft seit Jahrhunderten prägen.




Nach einer ausgedehnten Mittagspause am Ufer des Sees ging es weiter über die Hochebene Richtung Refuge Manganu.
Der Weg führte vorbei an der Bergerie de Inzecche, die heute noch bewirtschaftet wird.
Mehrfach überquerten wir auf unserem Weg kleine und größere Bäche, für die wir immer wieder die Wanderschuhe ausziehen mussten.


Bei der Bergerie de Vacchaghia sahen wir bereits unser Ziel, doch der letzte Abschnitt zog sich durch felsiges Gelände.
Der Weg war weniger steil als an anderen Tagen, aber durch größere Steine anspruchsvoll.
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich das Refuge de Manganu. Die Unterkunft ist typisch für den GR20: einfache Zelte, wobei Isomatten bereitgestellt werden und Schlafsack sowie Kopfkissen selbst mitzubringen sind.


Tageskilometer: ca. 16 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 740
Höhenmeter hinunter: ca. 540
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
9. Etappe: Vom Refuge Manganu ins Tavignano-Tal zum Refuge de la Sega
Der erste Abschnitt führte zurück zur Bergerie de Vacchiaghia, von dort zweigte der Weg ins Tavignano-Tal ab. Kurz hinter der Bergerie zeigte sich mit einer Müllhalde von verwitterten Aluminiumdosen ein düsterer Aspekt dieser abgelegenen Region. Für mich ein irritierender Kontrast zu dieser Naturkulisse.

Der weitere Weg führte durch eine Landschaft, die mit abgestorbenen Bäumen und trockener Vegetation sehr karg wirkte.
Verstärkt wurde dieser Eindruck dadurch, dass gefühlt an jedem Baum die charakteristischen Nester des Prozessionsspinners zu erkennen waren.

Der Wanderweg verlief fast durchgehend entlang des Tavignano. Mehrfach mussten wir Nebenflüsse ohne Brücken queren. Viele kleinere Bäche konnten wir hingegen problemlos über Steine oder seichte Furten überqueren. Der Weg selbst war abschnittsweise anstrengend: große, unregelmäßige Felsbrocken verlangten ständige Konzentration.
Im weiteren Verlauf verlor der Weg an Höhe, und die Vegetation veränderte sich deutlich. Plötzlich standen wir wieder in einem Wald mit weichem Boden, was eine willkommene Abwechslung nach den langen Geröllpassagen war.Zwischendurch öffneten sich spektakuläre Blicke auf zwei Wasserfälle, die sich über mehrere Stufen in die Tiefe stürzten.



Die heutige Etappenunterkunft, das Refuge de la Sega, liegt direkt am Tavignano. Die Kaltwasserdusche konnten wir uns sparen, denn unmittelbar neben dem Refuge befindet sich eine große Badegumpe, in der man einige Längen mit Wasserfall inklusive schwimmen kann. Auch hier stehen Zelte sowie eine schlichte, aber funktionale Infrastruktur zur Verfügung.


Tageskilometer: ca. 11 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 130
Höhenmeter hinunter: ca. 550
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
10. Etappe: Vom Refuge de la Sega zurück in die Zivilisation nach Corte
Das gleichmäßige Rauschen des Tavignano und vereinzelte Vogelrufe begleiteten den Morgen, noch bevor die Sonne die Schlucht richtig erreicht hatte. Nach einem sehr schlichten Frühstück führte uns der Weg wieder am Mare à Mare Nord durch einen lichten Nadelwald.


Je weiter wir gingen, desto dramatischer wurde die Schlucht. Steile Felswände ragten links und rechts auf, während sich der Weg schmal am Hang entlang zog.
Ein letztes Mal bot sich bei der Brücke über den Tavignano die Möglichkeit zum Schwimmen in einer bereits gewohnten, aber eisig kalten und türkisblauen Badegumpe an.


Der zweite Teil der Etappe führte weiter talauswärts durch die Schlucht. Mit zunehmender Temperatur wurde der Abschnitt anspruchsvoller. Die Sonne stand nun voll im Tal, und die Hitze machte sich deutlich bemerkbar. Schließlich machte ich meine Kappe und mein Halstuch nass, um mich etwas abzukühlen. Das ist eine einfache, aber erstaunlich wirkungsvolle Methode auf solchen Wanderungen. Es gibt zwar Quellen in den korsischen Bergen, aber man sollte immer ausreichend Trinkwasser mit sich führen.

Als wir am späten Nachmittag in Corte, der „heimlichen Hauptstadt“ Korsikas, angekommen sind, erwartete uns eine eher ungewöhnliche Maßnahme, denn unsere Rucksäcke mussten im Hotel zunächst in großen Müllsäcken verstaut werden.
Das ist eine Vorsorgemaßnahme gegen Bettwanzen, die auf Korsika ebenso wie die Prozessionsspinnerraupen eine Plage sind.

Tageskilometer: ca. 14 Kilometer
Höhenmeter hinauf: ca. 50
Höhenmeter hinunter: ca. 850
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
Corte entdecken
Der historische Stadtkern besticht durch einen leicht verfallenen Charme mit engen Gassen und idyllischen Plätzen.


Auf einem schroffen Felssporn über dem Zusammenfluss von Tavignano und Restonica thront die von weitem sichtbare Zitadelle von Corte. Die beste Aussicht auf die Zitadelle genießt man vom Aussichtspunkt Belvédère de Corte im oberen Stadtviertel.


Die Universitätsstadt ist mit dem korsischen Nationalhelden Pasquale Paoli tief verwurzelt. Er führte von 1755 bis 1769 die Insel in die Unabhängigkeit.
Seine Statue findet man am Ende der Flaniermeile Cours Paoli, gelegen im unteren Stadtviertel.
Zum Ausklang ans Meer mit zwei Küstenwanderungen
Wer Korsika auf einer Weitwanderung erlebt, entdeckt spektakuläre Berglandschaften, doch genauso prägend ist die Küstenlandschaft. Es wäre fast zu schade, die Insel zu bereisen, ohne auch in ihren glasklaren Buchten zu schwimmen. Aus diesem Grund verlängerten wir unseren Aufenthalt um einige Tage in Saint-Florent und am Cap Corse. Für knapp eine Woche mieteten wir einen Mietwagen und haben zwei Küstenwanderungen mit viel Zeit für Badepausen unternommen.
1. Von St. Florent zum Strand von Saleccia
Die erste Wanderung führte uns von St. Florent zum knapp 15 Kilometer entfernten Strand von Saleccia. Die Stadt liegt am gleichnamigen Golf zwischen dem Cap Corse und der Désert des Agriates.


Die Region wurde einst als „Kornkammer“ genutzt und ist seit 1979 als Schutzgebiet ausgewiesen. Heute steht vor allem der Erhalt dieser ursprünglichen Natur im Vordergrund. Das rund 15.000 Hektar große Gebiet wird nur sanft touristisch erschlossen. Die Désert des Agriate ist weniger eine klassische „Wüste“ als vielmehr eine wilde, ursprüngliche Küstenlandschaft.
Wir starteten unsere Wanderung frühmorgens, um nach rund eineinhalb Stunden in einer kleinen Bucht erstmals die Wandersachen gegen einen Bikini auszutauschen. Das türkisfarbene Wasser war so klar, dass es schwerfiel, einfach weiterzugehen.

Finde den Fisch im Meer

Der Weg führte uns weiter durch die typische korsische Macchia, immer entlang der Küste, vorbei an Buchten, wo eine schöner war als die andere und zu Pausen im Wasser einlud.
Unterwegs passierten wir einen Genueser Turm, zwei Leuchttürme sowie einen Semaphor.

Am Strand von Loto sahen wir wieder Kühe, die neben dem karibisch anmutenden Meer seelenruhig dösten. Danach war es nur noch eine Stunde bis zum rund einen Kilometer langen Strand von Saleccia. Dieser Abschnitt war wieder von einer Felsenküste gezeichnet, weshalb wir keine Zwischenstopps machten.
Einmal angekommen, erwarteten uns feiner Sand, flach abfallendes, türkisfarbenes Wasser und Dünen, die sich deutlich von der übrigen Küstenlandschaft unterschieden.


Der Rückweg erfolgte mit einem RIB-Boot. Während der Fahrt sahen wir die Küste noch einmal aus einer neuen Perspektive. Nach nur 15 Minuten waren wir wieder zurück an unserem Ausgangspunkt in St. Florent.
Tageskilometer: ca. 15
Höhenmeter hinauf und hinunter: ca. 130
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
2. Unterwegs am Zöllnerpfad am nördlichsten Zipfel von Korsika
Zwischen dem Fischerort Port Centuri an der Westküste und dem etwas quirligeren Macinaggio an der Ostküste verläuft ein knapp 20 Kilometer lange Küstenwanderweg, der Sentier de douaniers. Wir wanderten von Barcaggio, gelegen am nördlichsten Ende, nach Macinaggio.


Zu unserem Ausgangspunkt wurden wir mit einem Schiff gebracht. Die Überfahrt stimmte uns bereits auf das ein, was uns erwartete: Eine wilde Küstenlandschaft mit schmalem Pfad direkt am Meer und zwei Genueser Türmen sowie einer Kapelle.
Abkühlung fanden wir in einer der malerischen Badebuchten. Unser erstes Highlight war der Genueser Turm „Tour d’Agnello“, der spektakulär auf einer Klippe thront und auch von innen besichtigt werden kann.



Der Küstenpfad zog sich weiter durch eine zeitlose Szenerie.
Besonders eindrücklich war eine Begegnung mit einer Kuhherde direkt am Strand bestehend aus Kühen, Kälber und einem stattlichen Stier, der zum Glück eine seiner Kühe statt uns im Blick hatte.
Kurz darauf erreichten wir eine geschützte Badebucht mit feinem Sandstrand und etwas Schatten. Hier ließen wir bei einem Picknick und einer Runde Schwimmen im Meer die Seele baumeln.


Ein weiterer Höhenpunkt des Tages war der Turm Santa Maria di a Chiapella, dessen Ruine eindrucksvoll aus dem Wasser ragte. Nur wenige Schritte entfernt lag die gleichnamige Kapelle.


Im letzten Abschnitt führte der Weg zum Strand Tamarone, wo wir ein letztes Mal ins Meer eintauchten, bevor wir weiter nach Macinaggio gingen.
Tageskilometer: ca. 12
Höhenmeter hinauf und hinunter: ca. 250
Diese Etappe habe ich hier abgespeichert.
Die Höhenmeter und Kilometerangaben sind Richtwerte, da sich diese je nach App unterscheiden.
Bastia - Die unterschätzte Hafenstadt
Ausgangspunkt für Ausflüge auf das Cap Corse und das Tor zu Korsika für viele Reisende ist Bastia. Die lebendige Hafenstadt eignet sich hervorragend für einen Spaziergang vor oder nach einer Reise über die Insel.

Die Place Saint-Nicolas liegt direkt gegenüber dem Fährhafen und gehört zu den wichtigsten öffentlichen Plätzen Bastias. Sie ist mit ihren rund 280 Metern Länge und 80 Metern Breite ein stattlicher Platz und Treffpunkt für die Menschen von Bastia. Von dort führt der Weg über eine Flaniermeile in Richtung des Alten Hafens, wo mit der Kirche Saint-Jean-Baptiste eines der bekanntesten Wahrzeichen Bastias steht. Das doppeltürmige Barockbauwerk aus dem 17. Jahrhundert ist nicht nur das beeindruckendste Kirchengebäude der Stadt, sondern zugleich die größte Kirche Korsikas.

Über die engen Gassen der Altstadt wacht die Zitadelle im Stadtteil Terra Nova. Die Festungsanlage wurde im 14. Jahrhundert von den Genuesen auf einem Felsvorsprung über dem Meer errichtet und ist das historische Herz Bastias. Hinter den mächtigen Mauern verbergen sich verwinkelte Gassen, kleine Plätze und farbenfrohe Fassaden, die zum Schlendern einladen. Von den Aussichtspunkten rund um die Zitadelle bieten sich zudem schöne Ausblicke auf den Alten Hafen und das Tyrrhenische Meer.


Einen spannenden Kontrast zur historischen Altstadt bildet die Aldilonda-Promenade unterhalb der Zitadelle. Sie wurde vom steirischen Architekten Dietmar Feichtinger entworfen und schmiegt sich direkt an die Felsküste.
Der Name „Aldilonda“ bedeutet auf Korsisch „über dem Meer“ und verbindet moderne Architektur mit dem historischen Stadtbild auf einzigartige Weise.

Regional genießen
Korsika ist eine Insel der kurzen Wege und der traditionellen Landwirtschaft. Laut Bio-Corse gibt es über 550 Biobauern. Egal ob Wein, Honig, Käse, Kastanien, Olivenöl, Obst oder Gemüse, die Website Gusti Di Corsica listet Produzent*innen nach Lebensmitteln sortiert auf. Zur besseren Orientierung finden sich diese ebenfalls auf einer interaktiven Karte.
Besonders bekannt ist das korsische Wildschwein, das in den ausgedehnten Wäldern der Insel lebt. Es wird häufig zu herzhaften Ragouts, Würsten oder Schinken verarbeitet. Über Jahrhunderte waren Kastanien ein Grundnahrungsmittel für die lokale Bevölkerung. Heute werden Kastanien vorwiegend zu Marmeladen, Cremes, Kuchen, Eis oder Mehl weiterverarbeitet. Ebenso charakteristisch ist die Zitronat-Zitrone, auf Korsika als Cedrat bekannt. Ihre aromatische Schale wird für Marmeladen, Liköre und Süßspeisen verwendet und verleiht vielen Spezialitäten eine unverwechselbare Note.

In der Macchia blüht im Frühling und Herbst die Myrte, welche ebenfalls zu Likören weiterverarbeitet wird, sich aber auch zum Würzen oder als Tee eignet.
Auch andere Kräuter der Macchia, wie Rosmarin, Lavendel, Wacholder oder wilder Thymian, finden als Gewürz eine Verwendung.
Liebhaber von Ziegen- und Schafskäse werden von der Vielfalt korsischer Käsesorten beeindruckt sein. Als Beispiel ist der Brocciu ein zart aromatisierter Frischkäse. Er gilt als Herzstück der korsischen Gastronomie und darf in vielen Gerichten, wie den Canneloni au Brocciu, nicht fehlen. An den Küsten stehen Fischgerichte und Meeresfrüchte auf den Speisekarten.

Anreise und Mobilität vor Ort
Unser Nightjet rollte pünktlich aus Wien hinaus in die Nacht. Auch meine Freundin aus Berlin ist auf dem Landweg angereist. Zunächst ging es mit einem der Züge von Berlin nach München, anschließend fuhr sie mit dem Nightjet von München nach Florenz. In Villach wurden der Wiener und der Münchner Nightjet zusammengeführt, sodass wir zur gleichen Zeit in Florenz ankamen. Es ist ratsam, in München mindestens zwei, besser noch drei oder vier Stunden Puffer einzuplanen und ein Durchgangsticket für die gesamte Strecke zu kaufen. Die Deutsche Bahn ist schließlich für ihre Verspätungen bekannt.
In Florenz angekommen, nahmen wir einen der vielen Züge nach Livorno Centrale, wo uns noch angenehme Temperaturen und Palmen erwartet haben. Da bis zur Fähre noch mehrere Stunden Zeit blieb, spazierten wir gemütlich mit unserem Gepäck in Richtung Hafen.
Die Busfahrpläne der Autolinee Toscane vom Bahnhof zum Hafen findest du hier.
Am Fährhafen angekommen, mussten wir uns erst einmal zurechtfinden, wo Passagiere ohne Auto einchecken. Ein großzügiger Zeitpuffer ist hier von Vorteil um nicht nervös zu werden. Einmal in der neunstöckigen Fähre drinnen, genossen wir die Überfahrt mit Blick auf das Meer, sowie die Insel Elba und Capraia.

Rückblickend dauerte unsere Anreise weit über 24 Stunden und trotzdem fühlte sie sich nie stressig an. Im Gegenteil: Die Kombination aus Bahn, Zwischenstopps und Fähre machte die Reise abwechslungsreich.
Hilfreiche Anlaufstellen für die Planung von Busreisen auf Korsika sind die Tourismusverbände der jeweiligen Regionen.
Bahnromantik auf Korsika
Da unser Ausgangspunkt zum Wandern Calvi war, haben wir eine Nacht in Bastia verbracht und sind am nächsten Tag mit der korsischen Bahn, liebevoll auch „Trinighellu“ genannt, nach Calvi weitergereist.

In den nächsten Stunden erlebten wir eine eindrucksvolle Bahnfahrt.
Langsam arbeitete sich der Zug bergauf, vorbei wilden Berghängen mit gelb blühendem Ginster.
Immer wieder sahen wir den Golo, Korsikas längsten Fluss. Je näher wir Ponte-Leccia kamen, desto spektakulärer wurde die Landschaft, denn in der Ferne leuchteten schneebedeckte Gipfel.

In Ponte-Leccia teilt sich die Bahnlinie. Während eine Strecke durch das Inselinnere nach Corte und Ajaccio führt, verläuft die andere zurück in Richtung Meer nach Calvi. Für uns ging es mit dem Zug wieder bergab in Richtung Küste und wir genossen den Meerblick bis Calvi.

Die Fahrplanabfrage findet man auf der Website von „Chemins de fer de la Corse“, kurz CFC genannt.
Tourismusverband & Weitwanderwege
www.pnr.corsica/fr/randonnees-decouverte/mare-a-mare-nord
www.pnr.corsica/fr/randonnees-decouverte/mare-e-monti
www.pnr.corsica/fr/randonnees-decouverte/gr-20-fra-li-monti
www.visit-corsica.com/fr/Mon-sejour/Itineraires/Tous-les-itineraires/SENTIER-DES-DOUANIERS
Das offizielle Reservierungsportal des Parc naturel régional de Corse (PNRC):
https://decouverte.pnr-resa.corsica/
Ich persönlich habe den Weitwanderweg von Calvi bis Corte über die in Ajaccio ansässige Agentur Corsica Aventure organisiert.