top of page

Montenegro – Land der Gipfel, Schluchten und Seen

​​

Das überschaubare Land ist mit rund 13.800 km² etwas größer als Oberösterreich und ist

seit 2006 ein eigener Staat. Auf engstem Raum findet sich dennoch eine erstaunliche Vielfalt an Landschaften: schroffe Gipfel, tief eingeschnittene Schluchten, klare Bergseen, traditionell bewirtschaftete Almen und eine touristisch geprägte Küstenregion treffen hier aufeinander. 

 

Montenegro liegt an der Schnittstelle unterschiedlicher Kulturen und ist bis heute von einer bewegten Geschichte geprägt. Auf meiner dreiwöchigen Reise durch das Land und die Grenzregionen zu Albanien und dem Kosovo habe ich „das schwarze Land“ vor allem zu Fuß kennengelernt. Von den dunklen Nadelwäldern, die dem Land seinen Namen gaben, bis hin zur weltberühmten, fjordähnlichen Bucht von Kotor. Erlebt und genossen habe ich die vielseitige Küche, herzliche Gastfreundschaft, historische Städte und unzählige Begegnungen, die mir Montenegro von den unterschiedlichsten Seiten gezeigt haben. 

 

Gleichzeitig wurde mir unterwegs immer wieder bewusst, wie stark sich manche Regionen durch den zunehmenden Tourismus verändern und wie wichtig die Frage ist, wie sich Natur, Tradition und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbinden lassen.

Wie viel Veränderung verträgt ein Land, ohne das zu verlieren, was es so besonders macht?

Spuren Peaks of the Balkans

Über die Grenzen gehen: Auf den Spuren der Peaks of the Balkans

Gipfel, Grenzen und alte Wege. Diese drei Begriffe fassen den rund 192 Kilometer langen Fernwanderweg „Peaks of the Balkans“ eindrucksvoll zusammen. In zehn Etappen führt er durch abgelegene Bergregionen Albaniens, Kosovos und Montenegros, teilweise auf über 2.000 Metern Seehöhe. Dabei verbindet die Route nicht nur eindrucksvolle Landschaften, sondern auch Menschen, Kulturen und Dörfer über die Staatsgrenzen hinweg. Unterwegs begegnet man traditionellen Formen der Almwirtschaft und bekommt einen Einblick in Regionen, die sich durch den zunehmenden Tourismus spürbar und rasch verändern.

IMG_4187_edited.jpg

Entstanden ist der grenzüberschreitende Wanderweg als Friedens- und Entwicklungsprojekt. An der Planung beteiligt waren lokale Partner, Wandervereine und die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (GIZ).

 

Ziel war es, die drei Länder stärker miteinander zu verbinden, die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg zu fördern und gleichzeitig neue wirtschaftliche Perspektiven für die Menschen in der abgelegenen Bergregion zu schaffen. 2011 wurde der Trail offiziell eröffnet.

Heute zieht der Fernwanderweg laut einer Studie von Science Direct von 2025 jährlich über 43.000 wanderfreudige Menschen an und sorgt für rund 25 Millionen Euro Umsatz. Davon bleiben etwa 16 Millionen Euro direkt in der Region. Das entspricht umgerechnet rund 1.380 Vollzeitjobs.

 

Mit einer bunt gemischten Wandergruppe mit 13 Teilnehmer*innen habe ich mich auf die Spuren der Peaks of the Balkans begeben. Am Plan standen einige der schönsten Etappen: Zum Einstieg ging es in einer Zubringeretappe über das Hajla-Massiv. In Pepiq begannen wir den offiziellen Peaks of the Balkans Trail und wanderten bei angenehmen Temperaturen drei Etappen und teils eine vierte über die Berge und Täler dieses Fernwanderwegs.

Zwischen Montenegro und Kosovo

Das letzte Stück der zweitägigen Bahn-Anreise ab Wien fuhren wir mit einem Direktzug von Subotica nach Montenegro. Nach Belgrad wurde die Landschaft immer hügeliger, was ein erstes Highlight im Vergleich zur endlos scheinenden ungarischen und serbischen Steppenlandschaft war. Nach den Grenzformalitäten im Zug in Bjelo Polje wurden dann die Zugtüren am späten Nachmittag geöffnet. Im Anschluss wartete bereits unser Guide mit einem Bustransfer zum knapp 70 Kilometer entfernten Rožaje. Am folgenden Tag fing unser Abenteuer per Jeep an. Diese brachten uns zum Weiler Bandžov und ab da konnten wir unsere Beine endlich mehr als nur vertreten.

 

Zuerst ging es durch einen Nadelwald bergauf zu einer Alm mit ihren Katuns, also einfachen Almhütten, wo Kühe und Schafe weideten.

Montenegro&Kosovo
IMG_4003_edited.jpg

Unser Ziel war der bereits weithin sichtbare Hajla mit 2.403 Metern Seehöhe. Aus dem gemütlichen Almweg wurde allmählich ein schmaler, stellenweise steiler Pfad durch Latschen zum Sattel. Dabei rückte die mächtige Felswand des Hajla immer näher an uns heran, während die Alm hinter uns immer kleiner wurde.

Am Sattel angekommen eröffnete sich ein beeindruckender Blick auf Rožaje und die umliegenden Berge. Besonders markant war der 2.272 Meter hohe Amhica.

IMG_4021_edited_edited.jpg

Das Hajla-Massiv zählt laut Semir, unserem sympathischen Wanderführer, zu den artenreichsten Naturräumen rund um Rožaje.

 

Nadelwälder, Bergwiesen, Felslandschaften und alte Weideflächen wechseln einander ab. Auch seltene und teilweise endemische Pflanzen kommen hier vor, darunter das Edelweiß.

IMG_4019.JPG

Was Semir zudem über die Veränderung der Katuns erzählte, hat mich besonders beschäftigt: Durch die Abwanderung werden immer mehr traditionelle Almflächen aufgegeben. Die Folge ist, dass die offenen Wiesen zunehmend verbuschen und verwalden. So sei der Wald, durch den wir an diesem Tag bergauf gestiegen waren, erst etwa 20 bis 30 Jahre alt. Früher befand sich hier eine großzügige Weidefläche, die im Frühling einem bunten Blütenteppich glich. Heute ist diese um ein Vielfaches geschrumpft.

 

Das letzte Drittel des Aufstiegs zum Hajla-Gipfel führte uns über einen Grat, der die Grenze zwischen Montenegro und dem Kosovo bildet. Auf der einen Seite liegt Rožaje, auf der anderen öffnet sich der Blick auf die Berge des Kosovo. An klaren Tagen kann man von hier aus sechs Länder sehen: Montenegro, Kosovo, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Albanien und Bulgarien.

Nach der Gipfelrast ging es hinunter zu einer weiteren Alm. Von dieser Seite präsentiert sich der Hajla sanft und nicht schroff.

IMG_4026_edited.jpg

Unsere erste Tagesetappe endete in Pepiq, wo wir auch auf die offizielle Peaks of the Balkans Route gestoßen sind. Hier erinnert ein kleiner Friedhof an die Kämpfer der 136. „Rugova“-Brigade der UÇK. Die Berge rund um den Hajla waren während des Kosovokrieges 1999 Schauplatz von Kämpfen, es kam hier zu schweren Auseinandersetzungen. Per Bustransfer ging es dann nach Liqenat.

IMG_4059_edited.jpg

Richtwerte

Kilometer: 11

Höhenmeter hinauf: 1.000

Höhenmeter hinunter: 870

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

 

Goodbye Kosovo, hello Montenegro again

Die zweite Tagesetappe führte auf dem Peaks of the Balkans Trail durch einen Nadelwald hinauf zum Leqinat-See (1.890 Meter), einem Gletschersee, an dem wir die erste Badepause eingelegt haben.

Kosovo-Montenegro
IMG_4130_edited_edited.jpg

Wir wanderten dann durch den Wald und über eine malerische Katun hinauf in ein Seitental, von dem rechts und links die Berge emporstiegen. Nach einigen Pausen ließen wir blühende Wiesen und später die letzten Latschen hinter uns und erreichten schließlich eine offene Graslandschaft, in der wir uns vor dem weiteren Aufstieg etwas erholen konnten. Danach hieß es nochmals Kräfte sammeln, um auf den 2.272 Meter hohen Jelenak Pass zu gelangen.

IMG_4157_edited.jpg
IMG_4159_edited.jpg

Oben angekommen, hatten wir spektakuläre Ausblicke auf die bereits zurückgelegte und die noch bevorstehende Strecke. Ein toller Platz, um Mittagspause zu machen, etwas zu dösen und die Sonne zu genießen.

Im nächsten Drittel schlängelte sich der Weg relativ entspannt den Berg entlang. Immer wieder wechselten sich Wald und offene Landschaft ab. Auf dem Weg gab es jede Menge Heidelbeeren zum Naschen.

IMG_4179_edited.jpg
IMG_4208_edited.jpg

Als wir schließlich am Ravno Brdo Pass auf 2.178 Metern angekommen waren, genossen wir das 360-Grad-Panorama, bevor wir erneut die Grenze zwischen Kosovo und Montenegro überquerten. Von da an ging es nur noch bergab zu unserem Tagesziel Babino Polje. Der Name bedeutet wörtlich „Großmutters Feld“ und ist mit einer alten Legende verbunden.

IMG_4225_edited.jpg

Der Erzählung nach waren einst ein alter Mann, seine Frau und ihre Ziegenherde auf dem Weg zum Čakor-Pass. Ein heftiger Schneesturm überraschte sie. Die Frau konnte den eisigen Winden nicht mehr standhalten, setzte sich erschöpft in den Schnee und erfror. An dieser Stelle soll später die Ansiedlung Babino Polje entstanden sein.

 

Richtwerte

Tageskilometer: 16

Höhenmeter hinauf: 1.150

Höhenmeter hinunter: 1.110

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

Unter diesem Link ist die offizielle Peaks of the Balkans Tagesetappe von Liqenat i Kuçishtës nach Babino Polje abgespeichert.

 

 

 

Abstecher zum Hrid See

Am nächsten Tag führte unser Weg zum Hrid-See (Hridsko jezero), einem besonderen Naturjuwel des Prokletije-Nationalparks, dem jüngsten Nationalpark in Montenegro. Prokletije bedeutet übersetzt „verwunschene“ oder „verfluchte Berge“. Ein Name, der schon erahnen lässt, welch geheimnisvolle Landschaft sich hier verbirgt.

 

Der Weg zum See verlief zunächst wenig spektakulär. Über eine aussichtslose Forststraße erreichten wir den Katun Bajrovića. Von hier aus bot sich jedoch ein schöner Blick über die sanft geschwungene Hügellandschaft.

Hrid See
IMG_4294_edited.jpg

Je weiter wir wanderten, desto schmaler wurde der Weg. Die Forststraße ging schließlich in einen Waldweg über, der uns bis zu unserem heutigen Ziel führte: zum auf rund 1.980 Metern hoch gelegenen Hrid-See mit einer Tiefe von bis zu fünf Metern.

IMG_4355_edited.jpg

Eingebettet in einen imposanten Kiefernwald wirkte der Bergsee für mich wie ein stiller Rückzugsort fernab der Zivilisation. Auch wissenschaftlich ist der See bemerkenswert. Untersuchungen haben hier lt. „Travel Montenegro“ mehr als 245 Algenarten nachgewiesen, von denen 75 erstmals in Montenegro dokumentiert wurden. Aber auch Amphibien - wie etwa der Alpenmolch finden in und rund um den See einen wertvollen Lebensraum. Eine Freude, ins glasklare Wasser zu springen und eine ausgiebige Runde zu schwimmen! Laut unserem Wanderführer zählt der See zu den schönsten in Montenegro.

IMG_4337.JPG
IMG_4342_edited.jpg

Nach einer ausgedehnten Pause ging es weiter. Wir machten noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt, von dem man den Dreiländergipfel Tromeda sehen kann. Ich konnte ihn allerdings nicht eindeutig ausmachen. Was ich dafür wiedererkannte, waren die Berge und der Grenzpass vom Vortag.

IMG_4370_edited.png

Der Rückweg zur Katun Bajrovića führte über eine nicht enden wollende Forststraße. In diesem Abschnitt zweigte auch der offizielle Peaks of the Balkans Weg nach Plav ab. Wir hingegen gingen zurück zu unserem Ausgangspunkt, von wo aus uns ein Transfer nach Plav und weiter nach Vusanje brachte.

 

Richtwerte

Tageskilometer: 13

Höhenmeter hinauf: 590

Höhenmeter hinunter: 370

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

Unter diesem Link ist die offizielle Peaks of the Balkans Tagesetappe von Babino Polje nach Plav abgespeichert.

 

 

 

Von Montenegro nach Albanien

Mehr und mehr fragte ich mich: Wie viel Weitwandern steckt eigentlich in einer Reise, bei der fast täglich ein Transfer dazugehört?

Ich wollte weitwandern. Gleichzeitig haben wir fast jeden Tag einen Transfer genutzt. Auch heute wurden wir mit einem Kleinbus von unserer Unterkunft bis zum Ausgangspunkt, dem Grlja Wasserfall, gebracht.

Montenegro-Albanien
IMG_4432_edited.jpg

Einerseits bin ich froh über die Transfers, denn es gibt langweilige Forststraßen und Abschnitte, die einem nicht unbedingt einen Mehrwert bringen. Trotzdem fühlte es sich für mich ein wenig wie Schummeln an.

Vielleicht ist genau das eine der Fragen, die bei einer organisierten Weitwanderreise dazugehören: Ist es wichtiger, viele Kilometer zu Fuß zurückzulegen, oder möglichst unterschiedliche Landschaften und Regionen kennenzulernen?

IMG_4597_edited.jpg

Aber zurück zur heutigen Etappe. Vom bereits erwähnten Grlja Wasserfall wanderten wir taleinwärts in das ursprüngliche Ropojana-Tal. Ein erstes großes Highlight war das „Blue Eye“, Oko Skakavice – eine beeindruckend leuchtend blaue, rund 19 Meter tiefe Karstquelle.

IMG_4440_edited_edited.jpg
IMG_4445_edited_edited.png

Je höher wir kamen, desto spektakulärer wurde die Landschaft. Die schroffen Kalksteinberge raubten mir den letzten Atem, der aufgrund der Höhenmeter ohnehin schon etwas knapp bemessen war. Wir wanderten weiter durch einen ausgetrockneten See, während rechts und links mächtige Kalkspitzen aufragten. Später erreichten wir die albanische Grenze und stiegen weiter hinauf. Die Landschaft wurde zunehmend karger. Die Vegetation blieb zurück und die schroffen Kalksteinwände dominierten die Szenerie.

IMG_4516_edited.jpg
IMG_4489_edited.jpg

Auf der albanischen Seite sahen wir einige der über 170.000 Bunker, die in den 70er- und 80er-Jahren unter der Diktatur von Enver Hoxha errichtet wurden. Schließlich erreichten wir mit dem Qafa e Pejës auf 1.707 Metern den höchsten Punkt unserer Reise.

IMG_4544_edited.jpg
IMG_4551_edited.jpg

Immer wieder hatten wir spektakuläre Blicke auf den 2.218 Meter hohen Maja e Harapit. Er zählt mit seiner rund 800 Meter hohen senkrecht abfallenden Felswand zu den höchsten Felswänden des Balkans.

Nachdem wir am Qafa e Pejës wieder Kräfte gesammelt hatten, ging es steil und teilweise geröllig hinunter Richtung Theth.

 

Man musste sich sehr auf den Weg konzentrieren – das war für mich eine Herausforderung, da sich vor meinen Augen das wunderschöne Theth-Tal ausgebreitet hatte und wir im ersten Teil des Abstiegs an einer beeindruckenden Felswand entlanggingen.

IMG_4588_edited.jpg

Die letzten Kilometer auf einer sehr abenteuerlichen Schotterpiste haben wir uns erspart - wir wurden mit einem Transporter abgeholt und zu unserer Unterkunft gebracht.

 

Richtwerte

Tageskilometer: 17

Höhenmeter hinauf: 1.020

Höhenmeter hinunter: 1.100

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

Unter diesem Link ist die offizielle Peaks of the Balkans Tagesetappe von Vusanje nach Theth abgespeichert.

 

 

Theth zwischen Geschichte und Massentourismus

In der schnell hochgezogenen und planlos wirkenden Ansammlung von Häusern für Reisende legten wir einen Pausetag am Peaks of The Balkans Trail ein.

 

Doch erst einmal im Ort angekommen, war mein Eindruck wenig euphorisch. Einige Reiseteilnehmer*innen, die Theth vor über 10 Jahren bereits einmal besucht hatten, haben diesen Ort nicht wiedererkannt.

 

Für mich zeigt Theth eindrücklich die zwei Seiten des Tourismus. Einerseits schafft er Einkommen, Arbeitsplätze und neue Perspektiven für die Menschen vor Ort. Andererseits kann die rasante Entwicklung einen Ort innerhalb weniger Jahre so stark verändern, dass genau jene Besonderheiten verloren gehen, die Reisende ursprünglich hierherführen: Authentizität, Ruhe und die besondere Atmosphäre einer gewachsenen Bergregion.

 

Nicht zu vergessen ist die Infrastruktur, die oft nicht so schnell mitwächst, etwa bei der Kanalisation und dem Müllmanagement. Viele der Betriebe haben beispielsweise einen eigenen (lauten) Generator, da das öffentliche Stromnetz nicht ausreichend leistungsfähig ist.

Theth
IMG_4607_edited_edited.jpg
IMG_4806_edited.jpg

Genau hier stellt sich für mich die Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Tourismus.

Nicht jeder neue Bau ist schlecht. Nicht jeder Tourist zerstört einen Ort. Aber Geschwindigkeit, Größenordnung und fehlende Planung können dazu führen, dass eine Region ihre eigene Identität verliert.

 

Deshalb werfe ich ein paar Fragen in den Raum:

  • Wie wollen wir reisen?

  • Was möchten wir in den Bergen bewahren?

  • Wie können wir dazu beitragen, dass Menschen, die wir auf unseren Reisen kennenlernen, auch langfristig von unserer Anwesenheit profitieren?

 

Aber zurück zu unserem Ruhetag, der mit dem Besuch von Sehenswürdigkeiten in Theth und einer langen Wanderung alles andere als ruhig war.

 

Zunächst besuchten wir die kleine katholische Steinkirche. Während der kommunistischen Diktatur unter Enver Hoxha wurde sie zu einem Krankenhaus umfunktioniert. Heute präsentiert sie sich wieder in schlichtem Design.

IMG_4789_edited.jpg

Dann erkundeten wir einen sogenannten Blutracheturm, den Kulla e Ngujimit. Die Blutrache war Teil des albanischen Gewohnheitsrechts und die Grundlage dafür war der Kanun. Er regelte das Zusammenleben, aber auch die Blutrache und die sogenannte Besa. Darunter versteht man eine Art Waffenruhe (Vertrauensversprechen), die eine Versöhnung überhaupt erst ermöglicht hat. Wo staatliche Strukturen kaum Wirkung hatten, schuf der Kanun eine eigene Ordnung.

 

Menschen, die von einer Blutrache bedroht waren, konnten sich in solchen Türmen einschließen und dort Schutz suchen, bis eine Versöhnung zwischen den Familien erreicht war.

 

Der dreistöckige Turm in Theth hatte dabei unterschiedliche Funktionen: Im Erdgeschoss wurden Tiere und Vorräte untergebracht, im zweiten Stock wurde verhandelt, während sich im dritten Stock der Schutzsuchende aufhielt. Eine Versöhnung gelang nicht immer. Blutrache konnte sich über Generationen hinziehen und forderte zahlreiche Menschenleben.

IMG_4836_edited.jpg

Im Anschluss wanderten wir zum Grunas-Wasserfall, der sich rund 30 Meter in die Tiefe stürzt.

Die kühlere Luft rund um den Wasserfall war bei den sommerlichen Temperaturen eine willkommene Erholung.

 

Danach folgte ein langer Weg entlang des Flusses „Lumi i Thethit“ in den Ort Ndërlysaj. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel und ich war ziemlich erledigt, als wir endlich ankamen. Doch damit war der Tag noch nicht vorbei.

IMG_4844_edited.jpg
IMG_4794_edited.jpg

Am Nachmittag wanderten wir in der Hitze mit vielen anderen Tourist*innen zu einem weiteren Blue Eye. Diese Karstquelle trumpfte mit einem weiteren malerischen Wasserfall auf. Das Wasser im Quellbecken erreicht im Sommer nur rund 10 Grad.

Der Kontrast war faszinierend: draußen gefühlt über 35 Grad, im Wasser eisige Kälte. Beim Schwimmen fühlte sich das Wasser auf meiner Haut anfänglich fast wie kleine Stacheln an.

IMG_4815_edited.jpg

Nach diesem erfrischenden Bad sind wir zu unserem Ausgangspunkt zurückgekehrt, wo ein Transfer zurück nach Theth auf uns wartete.

 

Richtwerte

Tageskilometer: 12 Kilometer

Höhenmeter hinauf: 390

Höhenmeter hinunter: 640

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

 

Auf dem „Highway“ nach Valbona und zurück nach Montenegro

Unser letzter Wandertag auf dem Peaks of the Balkans-Trail führte von Theth über den Valbona-Pass in das gleichnamige Tal. Die Verbindung von Theth nach Valbona ist die erste Etappe des insgesamt zehn Etappen umfassenden Fernwanderwegs, der durch Albanien, Kosovo und Montenegro führt.

 

Der Weg ging zunächst auf der Hauptschotterstraße durch den ganzen Ort und anschließend durch den Wald bergauf. Im Vergleich zu den anderen Etappen des Weitwanderweges fühlte sich dieser Weg wie ein „Highway“ an. Wir trafen vor allem junge wanderfreudige Menschen aus der ganzen Welt in allen denkbaren Outfit- und Ausrüstungsvarianten. Die Etappe zählt zu den bekanntesten und meistbegangenen Wanderungen in den albanischen Alpen.

Valbona-Montenegro
IMG_4879_edited.jpg
IMG_4910_edited.jpg

Der Weg ging von der anfangs eher unspektakulären Forststraße in einen alten Maultierpfad über.

 

Ein Weg mit Geschichte, denn er verband schon früher die Stammesgebiete der traditionellen Volksgruppen Shala und Nikaj.

Der Wald gab immer wieder Blicke auf die bereits vertrauten Berge frei. Je höher wir kamen, desto weiter öffnete sich die Landschaft. Wie auch an den vergangenen Wandertagen freute ich mich über die Botanik, über die Blumen, die im späteren August noch blühten. Die Zeit der größten Blütenpracht war ja leider vorbei: Die meisten Blumen blühen bereits ab Mitte Juni um die Wette, wobei sich die Blütezeit mit zunehmender Höhe nach hinten verschiebt.

 

Am 1.795 Meter hohen Valbona-Pass (Qafa e Valbonës) angekommen, lag ein völlig neues Bergpanorama vor uns. Genau das ist für mich das Spannende am Wandern: die Überraschungen, die sich hinter dem nächsten Sattel, der nächsten Kurve oder dem Gipfel verbergen.

IMG_4929_edited.jpg

Aber nicht nur die Landschaft veränderte sich, sondern auch der kulturelle Charakter der Umgebung.

Theth ist traditionell katholisch, während das Valbona-Tal überwiegend muslimisch geprägt ist.

 

Ab dem Pass verlief der restliche Wegverlauf nur noch bergab. Ein Weg, der durchaus Konzentration abverlangte, da der Pfad schmal und stellenweise geröllig war. Irgendwann verschluckte uns wieder der Wald und wir ließen unsere letzte Etappe wandernd ausklingen. Unten im Tal angekommen, wartete schließlich unser Transfer nach Valbona.

IMG_4934_edited.jpg

Retour nach Montenegro ging es am nächsten Tag zeitig in der Früh. Ein persönliches Highlight war dabei die zweistündige Fahrt mit der Fähre auf dem Koman Stausee. Zuerst leuchtete noch der Mond über dem Wasser, dann tauchte das Morgenrot die Berge in warmes Licht und später faszinierten mich die Spiegelungen der steilen Kalksteinwände im See.

IMG_5018_edited.jpg

Stellenweise war die Schlucht so eng, dass die Fähre beinahe zwischen den Felsen eingeklemmt wirkte, bevor sie sich wieder weitläufig öffnete. Unterwegs stiegen immer wieder Menschen an verschiedenen Anlegestellen zu und aus, denn unsere Fähre war nicht nur für Reisende, sondern auch für die Menschen entlang des Stausees ein Verkehrsmittel.

IMG_5042_edited.jpg
IMG_5035_edited.jpg

So beeindruckend die Landschaft auch war, fiel mir gleichzeitig der Plastikabfall auf, der immer wieder im Wasser trieb. Auch entlang der Wanderwege lagen nicht wenige Plastikflaschen und anderer Müll.

Zum Stausee: Er entstand im Zuge des kommunistischen Ausbaus der Wasserkraft am Drin, dem längsten Fluss Albaniens. Zusammen mit den Kraftwerken Fierza und Vau i Dejës gehört Koman zu den drei großen Wasserkraftwerken, die zwischen den 1960er- und 80er- Jahre errichtet wurden.

 

Nach der eindrucksvollen Fahrt wurden wir noch in das montenegrinische Ulcinj gebracht, wo wir die Reise am Meer ausklingen haben lassen. Von hier aus ging es für die übrige Wandergruppe nach Hause, während ich mit einer Freundin weiteren Montenegro-Wanderfreuden entgegensah.

IMG_5171.JPG

Richtwerte

Tageskilometer: 11

Höhenmeter hinauf: 1.120

Höhenmeter hinunter: 690

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

Unter diesem Link ist die offizielle Peaks of the Balkans Tagesetappe von Theth nach Valbona abgespeichert.

 

 

 

Drei Gipfel zum Erobern

Rund zwei Drittel des Landes liegen in gebirgigen Regionen, die sich von sanften Hochflächen bis zu schroffen Kalksteinmassiven erstrecken. Zu den bekanntesten Gebirgszügen zählen die Prokletije an der Grenze zu Albanien, das Durmitor-Massiv im Nordwesten, die Komovi im Osten sowie die Bjelasica im zentralen Norden Montenegros.

Viele Gipfel überschreiten die 2.000-Meter-Marke. Der Bobotov Kuk ist mit 2.523 Metern der höchste vollständig in Montenegro gelegene Gipfel, während der Zla Kolata mit 2.534 Metern noch etwas höher ist, sein Gipfel liegt jedoch im albanischen Grenzgebiet.

Durch ihre steilen Flanken und tief eingeschnittenen Täler wirken viele der Berge deutlich alpiner, als es ihre Höhe vermuten lässt.

Diese Bergwelt wollten wir nicht nur aus der Ferne bestaunen, sondern sie auch zu Fuß erkunden.

Drei Gipfelerlebnisse sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: der Kom Vasojevićki, der Bendovac und der Prutaš.

 

 

1. Kom Vasojevićki

Ausgangspunkt für die Besteigung des 2.460 Meter hohen Kom Vasojevićki war die Katun Stavna im Komovi-Massiv nahe der albanischen Grenze. Schon von hier aus wirkten die Berge schroff und auf den ersten Blick beinahe unbezwingbar. Doch der Eindruck täuschte: Der Vasojevićki gilt als der am leichtesten zugängliche der drei großen Gipfel des Massivs. Der Kom Kučki ist mit 2.487 Metern der höchste Gipfel des Naturparks.

3 Gipfel zum Erobern
Kom Vasjevicki
IMG_5234_edited.jpg

Die Berge rund um die Komovi sind eng mit der Geschichte der montenegrinischen Hochlandstämme verbunden. Vor allem die Vasojevići, Kuči und Bratonožići prägten die Geschichte und die traditionelle Nutzung dieser Region.

 

Der Pfad über die weitläufige Alm ließ mich zunächst spekulieren, wie der Weg zum Gipfel wohl verlaufen würde. Das erste Stück führte am Berghang entlang. Mal ging es über festen Untergrund, mal über Geröll, bevor der Weg zunehmend steiler wurde. Mit wenigen Ausnahmen ging es stetig bergauf. An manchen Stellen waren die Felsen so hoch, dass ich mit meinen kurzen Beinen ein wenig kraxeln musste.

IMG_5237_edited.jpg
IMG_5248_edited.jpg

Die Anstrengung lohnte sich allerdings schon unterwegs. An einem Sattel öffnete sich zum ersten Mal der Blick in Richtung Albanien. Danach ging es noch ein kurzes Stück bergauf, bevor der Gipfel vor mir lag. Auf der einen Seite fiel der Berg beinahe senkrecht hunderte Meter in die Tiefe. Über die mit Gras bewachsene Rückseite wanderte ich noch die letzten Meter zu einem kleinen Gipfelkreuz. Der Anstieg belohnte mich mit einem 360-Grad-Panorama: Im Norden lag die Bjelasica, im Nordwesten zeichnete sich der Durmitor ab, im Süden und Südosten erstreckten sich die Berge des Prokletije Nationalparks und zahlreiche albanische Gipfeln. Unmittelbar vor mir lagen die benachbarten Gipfel der Komovi.

IMG_5253_edited.jpg
IMG_5252_edited.jpg
IMG_5257_edited.jpg

Während ich allein auf dem Gipfel stand, sinnierte ich darüber nach, warum ich eigentlich zum Wandern ausgerechnet nach Montenegro gekommen war.

 

Ich fragte mich, warum ich eigentlich zum Wandern nach Montenegro gekommen war. Die Berge hier waren zweifellos beeindruckend. Die Landschaft war wild, weit und faszinierend. Aber gleichzeitig merkte ich, wie sehr mir das Vertraute fehlte. In Österreich kenne ich die Gegebenheiten und kann mich problemlos verständigen. Vor allem aber haben die Berge dort für mich eine Geschichte. Ich kenne ihre Namen, kann sie aussprechen und verbinde mit ihnen Erinnerungen.

 

Auf dem Vasojevići war all das noch fremd, als ich die Gipfelbestimmungs-App benutzte. Im Laufe der Wanderungen allein und zu zweit ohne einheimischen Guide musste ich mich orientieren, die Landschaft kennenlernen und mir langsam einen eigenen Zugang zu ihr erschließen.

 

Aber besteht nicht genau darin der Reiz des Reisens? Die Herausforderung das Unbekannte zu entdecken, während man sich selbst dabei ein Stück besser kennenlernt, mit der Zeit in der Ferne Vertrautheit findet und zugleich den eigenen Horizont erweitert?

 

Richtwerte

Tageskilometer: 8

Höhenmeter hinauf und hinunter: 730

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

 

2. Bendovac

Streng genommen ist der Bendovac im Nationalpark Biogradskagora, gelegen nördlich von Kolašin mehr ein eindrucksvoller Aussichtsberg als ein Gipfel im klassischen Sinn.

 

Wir wanderten ab dem gleichnamigen See zunächst eine Forststraße hoch. Immer wieder kürzten wir die Serpentinen über steile Pfade ab, bis wir schließlich eine weitläufige Hochalm mit traditionellen Katuns erreichten. Von hier war es nur noch ein Katzensprung bis zum 1.774 Meter hohen Bendovac.

Bendovac
IMG_5291_edited.png

Einmal angekommen, bot sich uns ein Traumpanorama über den Nationalpark und sein Herzstück, das rund 1.600 Hektar große Urwaldreservat. Hier gibt es Bäume, die bis zu 500 Jahre alt und mehr als 40 Meter hoch sind. Die Biogradska Gora gehört zu den ältesten geschützten Naturgebieten Europas. Bereits 1878 wurde das Gebiet unter Schutz gestellt, 1952 folgte die Ernennung zum Nationalpark.

IMG_5297_edited.jpg

Mitten im Nationalpark liegt der Biogradsko Jezero, ein Gletschersee und zugleich der größte von insgesamt sechs Gletscherseen des Parks. Er ist auch Ausgangspunkt für weitere Wanderungen auf der Bjelasica. Das Massiv punktet mit weichen, abgerundeten Bergen sowie grünen Wiesen und ist im Winter ein bedeutendes Skigebiet. Das erklärt auch die vielen „Bettenburgen“ in Kolašin.

 

Während der langen Gipfelpause hatten wir den See, den Nationalpark und die umliegende Bergwelt, mit dem Sinjajevina-Massiv als einer der markanten Kulissen vor uns. Wir wanderten dann den gleichen Weg zurück, den wir gekommen waren. Besonders beeindruckt haben mich die vielen mit Moos bewachsenen Buchen, die eine deutlich hellere Stammfarbe hatten als jene, die ich aus dem Wienerwald kenne.

IMG_5331_edited_edited.jpg
IMG_5326_edited_edited.png

Zurück am See umrundeten wir diesen auf einem angenehmen Waldweg und über Holzstege. Dabei staunten wir wiederum über die Waldriesen, aber auch darüber, welche Ausmaße die Gewöhnliche Pestwurz annimmt. Mit Wuchshöhen von 1,60 Metern ist sie tatsächlich so groß wie ich. Die alten Wälder der Biogradska Gora sind zudem Lebensraum für eine bemerkenswerte Tierwelt. Bären, Wölfe, Hirsche und zahlreiche Vogelarten finden hier Rückzugsräume.

WhatsApp Image 2026-09-16 at 19.01.18 (81).jpeg

Anfang September war der See teilweise ausgetrocknet, der geringe Wasserstand war nicht einladend für ein Bad.

IMG_5360_edited.jpg
IMG_5281_edited.jpg

Richtwerte

Tageskilometer: 14

Höhenmeter hinauf und hinunter: 700

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

 

3. Prutaš

Mit seinen 2.393 Metern gehört der Prutaš zu den höchsten Gipfeln des Durmitor-Massivs und ist im Vergleich zum „König des Durmitors“, dem 2.523 Meter hohen Bobotov Kuk, technisch einfacher zu besteigen.

Prutas
IMG_5812_edited.jpg

Blick auf den Bobotov Kuk

Schon die Anfahrt mit unserem Mietwagen „Black Beauty“, einem schwarzen Fiat Panda, zum Ausgangspunkt an der Durmitor-Panoramastraße war spektakulär. Die Landschaft wirkt hier auf der weiten, kargen Hochebene teilweise wie von einem anderen Planeten.

IMG_5658_edited.jpg
IMG_5879_edited.jpg

Am Parkplatz angekommen ahnten wir noch nichts von der markanten geologischen Formation, für die der Prutaš berühmt ist. Die senkrecht verlaufenden Sedimentschichten, die „Prutovi“ (Stäbe, Zweige), haben ihm seinen Namen gegeben.

IMG_5729_edited.jpg

Die Wanderung auf den schönsten Aussichtsberg in der Region führte bis auf das letzte Drittel stetig bergauf. Neben dem überwiegend erdigen Untergrund gab es immer wieder steinigen Passagen abwechselte. Je höher wir kamen, desto anspruchsvoller wurde der Wanderweg. Glücklicherweise lenkten uns Dohlen, die am Himmel ihre Kreise zogen, immer wieder von der Anstrengung ab.

IMG_5676_edited.jpg
IMG_5731_edited.jpg

Im letzten Drittel warteten dann stellenweise Geröll und leichte Kletterpassagen auf uns. Dazwischen gab es aber immer wieder angenehm zu gehende Grasflächen, die für etwas Abwechslung sorgten.

 

Schatten gab es auf der gesamten Strecke keinen. Dafür wehte meistens eine angenehme Brise, was den Aufstieg trotz fehlender Bäume angenehmer machte.

Am Gipfel angekommen, ließen wir erst einmal die grandiose Landschaft auf uns wirken. Ich zog meine Schuhe aus, fotografierte gefühlt alles doppelt und dreifach und genoss den Blick über die weite Welt. Aufgrund der ausgezeichneten Fernsicht reichte unser Blick bis nach Albanien, Bosnien-Herzegowina und Serbien, während sich direkt vor unseren Füßen ein fantastischer Blick auf das Durmitor-Massiv und den majestätischen Bobotov Kuk eröffnete.

IMG_5814_edited.jpg
IMG_5741_edited.jpg

Trotz dieser Euphorie stimmten mich die vielen Waldbrände, die wir von hier oben aus der Vogelperspektive wahrnehmen konnten, sehr nachdenklich. Auch wir mussten aufgrund der Feuer öfters umplanen, z.B. wegen der schlechten Luftqualität die Unterkunft wechseln. Die zunehmenden Waldbrände sind für das Land eine Katastrophe, und es fragt sich auch, wie sie sich auf den Tourismus und die Reisenden selbst auswirken. Ich persönlich hatte diese zunehmende Problematik bei der Planung noch nicht in meinem Bewusstsein verankert.

IMG_5685_edited.jpg

Für den Rückweg nahmen wir denselben Weg, auf dem wir gekommen waren. Das erste Drittel erforderte noch einmal höchste Konzentration, dort war der Weg technisch am anspruchsvollsten. Danach wurde es deutlich entspannter und wir konnten den Abstieg mit Blick auf die Doppelgipfel der Sedlena Greda wieder richtig genießen.

IMG_5851.JPG
088311bd-1089-4aa5-8234-5574f336a717.jpg

Richtwerte

Tageskilometer: 8

Höhenmeter hinauf und hinunter: 700

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

 

 

Drei Canyons zum Staunen

Montenegro ist nicht nur ein Land der Berge, sondern auch der tief eingeschnittenen Schluchten. Flüsse haben sich über Jahrtausende ihren Weg durch das überwiegend aus Kalkstein bestehende Gebirge gebahnt und dabei spektakuläre Canyons geschaffen.

Zwischen gewaltigen Felswänden und kristallklaren Flüssen zeigen die Schluchten eine ganz andere Seite der montenegrinischen Bergwelt. Drei davon habe ich auf dieser Reise näher kennengelernt: die Tara-Schlucht, den Nevidio-Canyon und die Mrtvica-Schlucht.

 

 

1. Mrtvica Canyon

Der Mrtvica Canyon liegt zwischen Kolašin und der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica, sofern man die Straße E80 über die Morača-Schlucht mit ihrem gleichnamigen Fluss wählt.

Der Canyon beginnt bei Međuriječje, wo die Mrtvica in die Morača fließt. Aufgrund der engen Zufahrtsstraße zur rund zehn Kilometer langen Felsenschlucht haben wir in Kauf genommen, unser Auto in einer kostenfreien Parkbucht direkt an der Hauptstraße abzustellen und die eine oder andere Minute entlang der Straße zu gehen, bevor wir in das tief eingeschnittene Tal abbogen.

3 Canyons
Mrtvica Canyon

Der Weg zur malerischen Steinbrücke Danilo Most (erbaut im 19. Jhdt.) am Beginn des Canyons, verläuft je nach gewählter Variante größtenteils über eine Straße oder einen schmalen Fußweg entlang des Flusses.

IMG_5532_edited_edited.png
IMG_5381_edited.jpg

Danach wechselt die Route zwischen Schotterstraße und schmalen Pfaden hoch über der Mrtvica. Mediterrane Wälder spendeten immer wieder etwas Schatten in der erbarmungslosen Hitze.

 

Je weiter wir in die Schlucht gingen, desto schmaler wurden die Pfade, während der Untergrund zwischen feinem und grobem Schotter wechselte.

Mitten im Canyon stießen wir auf das Schild „Gate of Wishes“, eines der beiden Highlights dieser Wanderung. Die Bäume wirkten mit ihren knorrigen, verdrehten Stämmen und den Ästen, die über und über mit weichem, tiefgrünem Moos bewachsen waren, wie aus einem kleinen Feenreich. Zwischen den moosbewachsenen Stämmen lagen im türkisgrünen Fluss helle Kalkfelsen, die einen wunderschönen Kontrast zum satten Grün bildeten.

IMG_5455_edited.jpg
IMG_5383_edited_edited.png

Dass sich um diese Szenerie eine Legende rankt, ist kaum verwunderlich. An dem natürlichen Felsentor soll der Überlieferung nach eine Fee vom Maganik-Berg Wünsche erfüllen. Dafür muss man seinen Wunsch still deponieren und anschließend einen Stein in den Fluss werfen.

Wir bewunderten das Felsentor in seiner Einzigartigkeit und ließen uns anschließend die Gelegenheit nicht entgehen, in der gefühlt zehn Grad kalten Badegumpe eine Runde zu schwimmen. Und wer weiß, vielleicht hat sich die Fee bei unserem Besuch in eine Gelbbauchunke oder einen Schmetterling verwandelt?

IMG_5417.JPG
IMG_5388_edited.jpg
IMG_5448.JPG

Während die Luft direkt am Fluss angenehm temperiert war, verwandelte sich die wohltuende Abkühlung zurück auf dem Pfad wieder in drückende Hitze. Dafür wurde die Schlucht in diesem Abschnitt immer spektakulärer, denn steile Felswände ragen hier laut Tourismusverband 600 bis 700 Meter empor.

IMG_5503_edited_edited.png
IMG_5504_edited_edited.png

Das zweite Highlight erreichten wir bei den imposanten Felswänden der Mrtvičke Grede. Auf einer Länge von rund 200 Metern wurde in den 1970er-Jahren von Soldaten ein Weg in den Felsen gehauen und gesprengt. Er sollte die beiden abgelegenen Dörfer Mrtvo Duboko und Velje Duboko miteinander verbinden.

IMG_5472_edited.png
IMG_5478_edited.jpg

Nach dem seitlich offenen Felstunnel wurde der Weg jedoch zunehmend verwachsener, das Flussbett war inzwischen trocken und es war totenstill. Aufgrund der Hitze beschlossen wir deshalb umzukehren und denselben Weg wieder zum Ausgangspunkt zurückzunehmen.

Alternativ kann man die Wanderung bis zum Dorf Velje Duboko fortsetzen und sich von dort mit einem organisierten 4x4-Transfer zurück zum Ausgangspunkt bringen lassen.

IMG_5517_edited.jpg

Richtwerte

Tageskilometer hin und zurück: 14

Höhenmeter hinauf und hinunter: 730

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

 

2. Tara Schlucht

Die Tara-Schlucht zählt zu den beeindruckendsten Landschaften Montenegros und gehört mit Tiefen von über 1.000 Metern zu den Top 10 der tiefsten Schluchten weltweit. Auf einer Länge von rund 80 Kilometern hat sich der Fluss tief in das Kalkgestein eingeschnitten und dabei eine Landschaft aus steilen Felswänden und dichten Wäldern geschaffen.

Tara Schlucht
IMG_5549_edited.jpg

Der Fluss Tara ist mit ca. 145 Kilometern der längste Fluss Montenegros und entspringt unterhalb des Komovi-Massivs. An der bosnischen Grenze vereinigt er sich mit der Piva und fließt unter dem Namen Drina gen Norden in Richtung Save, die letztendlich bei Belgrad in die Donau mündet.  

 

Über die Schlucht führt die imposante Đurđevića-Tara-Brücke. Sie wurde zwischen 1938 und 1940 errichtet und war bereits bei ihrer Fertigstellung eine außergewöhnliche Ingenieurleistung. Ihre Geschichte ist allerdings eng mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden. 1942 sprengten Partisanen einen der Bögen, um den Vormarsch italienischer Truppen aufzuhalten. Nach dem Krieg wurde die Brücke wieder aufgebaut.

 

Der Durmitor spielte während des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle. Die schwer zugängliche Bergwelt wurde zu einem wichtigen Rückzugs- und Operationsgebiet der jugoslawischen Partisanen, und auch Tito schlug 1943 für einige Zeit hier sein Hauptquartier auf.

 

Bei unserem Besuch wurde die historische Đurđevića-Tara-Brücke gerade umfassend rekonstruiert und war dadurch gesperrt. Dabei soll die denkmalgeschützte Konstruktion nicht durch einen Neubau ersetzt werden. Ziel der Rekonstruktion ist es, die historische Brücke zu erhalten, ihre Lebensdauer zu verlängern und ihre Verkehrssicherheit zu verbessern. Die rund 6,7 Millionen Euro teuren Arbeiten werden laut der Regierung Montenegros durch eine Schenkung der Volksrepublik China finanziert.

IMG_5551_edited.jpg

Einen ebenfalls sehr beeindruckenden Blick auf die Tara-Schlucht hat man vom Aussichtspunkt Ćurevac auf 1.625 Metern Seehöhe. Dieser ist mit einem rund 20-minütigen Spaziergang über Stock und Stein gut erreichbar. Wer die Schlucht nicht nur von oben erleben möchte, kann sie beim Rafting erkunden. Auch die Fahrt zum Aussichtspunkt ist Teil des Erlebnisses. Der Ćurevac lässt sich über die einspurige Panoramastraße „Durmitor-Ring - Route 2“ erreichen.

IMG_5558_edited.jpg
IMG_5555_edited.jpg

Die Strecke führt durch eine spektakuläre Berglandschaft und eröffnet im nördlichen Teil immer wieder Ausblicke auf die Tara-, aber auch auf die Sušica-Schlucht. Die kleine Schwester der Tara-Schlucht ist ebenfalls beachtliche 15 Kilometer lang und 700 Meter tief und öffnet sich zur Tara-Schlucht. Auf den Plateaus auf beiden Seiten des Canyons liegen die beiden Dörfer Nedajno und Mala Crna Gora.

IMG_6167_edited.jpg
IMG_6169_edited.jpg

3. Nevidio Canyon

Südlich des Durmitor-Gebirges, unweit von Šavnik, liegt mit dem Nevidio Canyon eine „unsichtbare“ Schlucht, so die Übersetzung des Namens. Über Millionen von Jahren hat sich die Komarnica hier ihren Weg durch das Gestein gebahnt und dabei eine enge, tief eingeschnittene Schlucht geschaffen.

Erst 1965 wagten sich elf mutige Männer mit einer für heutige Verhältnisse simplen Ausrüstung daran, den rund 3,5 Kilometer langen Canyon zu erforschen und zu dokumentieren. Heute erinnert am Eingang des Canyons eine Gedenktafel an die Entdecker.

Nevidio Canyon
IMG_5940_edited.jpg

Von außen lässt sich daher kaum erahnen, welche Welt sich zwischen den Felswänden verbirgt. Je weiter man in die Schlucht vordringt, desto enger wird der Durchgang. Auf eigene Faust kann man im Fluss jedoch nicht tief in den Canyon hinein, einzige Möglichkeit ist, sich einer Canyoning Tour anzuschließen. Auf der rund vierstündigen Tour warten auf wagemutige Menschen im Neoprenanzug Wasserfälle, schmale Felspassagen, Stromschnellen, sowie zahlreiche Stellen zum Springen, Klettern und Schwimmen. Besonders spektakulär ist die sogenannte „Kapija kamikaza“, das „Kamikaze-Tor“. Die Passage ist an manchen Stellen nur 25 Zentimeter breit und zieht sich über insgesamt 80 Meter.

IMG_5934_edited.jpg
IMG_5944_edited.jpg

Wer den Canyon lieber aus sicherer Entfernung erkunden möchte, kann ihn von oben betrachten oder es sich am Eingang der Schlucht bei einem Picknick gemütlich machen. Dort befindet sich eine kleine Badegumpe, wo man sich an heißen Tagen abkühlen oder kneippen kann.

 

 

Zwei Seen & eine Bucht zum Erkunden

Von einem smaragdgrünen Stausee, der sich zwischen steilen Felswänden hindurchzieht, über glasklare Gletscherseen inmitten der Bergwelt bis hin zur fjordähnlichen Bucht von Kotor und dem Skutarisee, dem größten See des Landes - Montenegro ist ein Land der Gewässer.

 

Nachfolgend stelle ich drei ganz unterschiedliche Wasserlandschaften vor, die auf ihre eigene Weise von der Natur geprägt und zugleich mehr oder weniger stark durch den Menschen verändert worden sind. Dabei waren es nicht immer nur die spektakulären Postkartenmotive, die mir in Erinnerung geblieben sind. Manchmal waren es gerade die sichtbaren Spuren menschlicher Eingriffe und des zunehmenden Tourismus, die mich innehalten und über den Umgang mit dieser beeindruckenden Landschaft nachdenken ließen.

 

 

1. Piva-Stausee

Smaragdgrün, schmal und mit zahlreichen Seitenarmen, zieht sich das Wasser des Piva-Stausees (Pivsko jezero) zwischen den steilen Felswänden des Piva-Tals hindurch. Teilweise ragen die umliegenden Schluchten mehr als 1.000 Meter in die Höhe und lassen den See noch schmaler und tiefer wirken. Der Stausee liegt im Piva Naturpark, einem Schutzgebiet im Nordwesten Montenegros, das direkt an Bosnien und Herzegowina grenzt. Der Naturpark bildet zugleich eine natürliche Verbindung zwischen dem Durmitor-Nationalpark in Montenegro und dem Sutjeska-Nationalpark in Bosnien und Herzegowina.

Zwei Seen & Bucht
Piva Stausee
IMG_6174_edited.jpg
IMG_6185_edited.jpg

Der über 40 Kilometer lange und stellenweise mehr als 180 Meter tiefe Piva-Stausee ist der größte künstliche See Montenegros und eines der größten Trinkwasserreservoirs am Balkan. Entstanden ist er durch den Bau der gewaltigen Mratinje-Talsperre.

 

Die Staumauer ist 220 Meter hoch und gehört damit zu den höchsten Talsperren Europas. Zwischen 1971 und 1976 wurde das Wasserkraftwerk gebaut und in Betrieb genommen.

Mit dem Aufstauen der Piva wurde der ursprüngliche Canyon der Piva überflutet und damit musste der Ort Plužine oberhalb des Stausees umgesiedelt werden.

Besonders bemerkenswert ist die Geschichte des Piva-Klosters aus dem 16. Jahrhundert. Um es vor den steigenden Wassermassen zu retten, wurde das Kloster Stein für Stein abgetragen und an einem höher gelegenen Standort wieder aufgebaut. Dabei konnten nicht nur die Bauteile des Gebäudes, sondern auch der wertvolle Freskenschmuck erhalten werden.

IMG_6219_edited.jpg
IMG_6222_edited.jpg

Für uns war allerdings nicht nur der See selbst das eigentliche Highlight, sondern ebenso die Fahrt dorthin. Die Straße schlängelt sich durch die enge Berglandschaft und führt immer wieder durch zahlreiche Tunnels, die direkt in den Fels gehauen und gesprengt wurden. Kaum hat man einen Tunnel verlassen, eröffnet sich schon der nächste spektakuläre Blick auf das Wasser oder die gewaltigen Felswände.

IMG_6182_edited.jpg

Bei den einzelnen Parkbuchten sahen wir aber neben den phänomenalen Ausblicken immer auch eine beachtliche Müllmenge.

Mistkübel – Fehlanzeige.

 

Aus der Ferne wirkte der Piva-See unglaublich beeindruckend. Je näher wir dem See allerdings kamen, desto zwiespältiger wurde mein Eindruck.

Durch den niedrigen Wasserstand waren die steilen und kargen Schotterhänge am Ufer nicht zu übersehen. Wo sonst vermutlich das Wasser bis kurz vor die Waldhänge reicht, sah man nun die freigelegten Uferbereiche. Auf mich wirkte die Landschaft dadurch etwas erdrückend.

IMG_6192_edited.jpg

Der Piva-Stausee ist für mich persönlich weniger ein klassischer „Postkartenort“, sondern vielmehr ein Ort voller Gegensätze und hat mir gezeigt, wie gewaltig der Eingriff des Menschen in eine Landschaft sein kann.

 

 

2. Die „Bergaugen“ im Durmitor Nationalpark

Die insgesamt 18 Gletscherseen des Durmitor werden liebevoll „Gorske oči“ (Bergaugen) genannt. Der größte und bekannteste unter ihnen ist der Schwarze See, Crno Jezero. Doch der Durmitor ist weit mehr als seine berühmten Seen.

 

Was mich am meisten fasziniert hat, ist der unglaubliche Gegensatz, der sich auf erstaunlich engem Raum zeigt. Südlich des gewaltigen Gebirgszuges breitet sich eine weitläufige Hochfläche aus. Offene Gras- und Weidelandschaften ziehen sich scheinbar endlos dahin. 

Bergaugen Durmitor
IMG_5864_edited.jpg
be5554bd-d6ac-4235-9ed0-5ba195dc3e9d.jpg

Diese Weite steht in einem starken Kontrast zu den schroff aufragenden Kalksteinbergen, von denen über 40 Gipfel die 2.000-Meter-Marke knacken.

 

Nähert man sich dem Durmitor von Norden, ist man in einer anderen Welt. Statt offener Hochebenen bestimmen Wälder mit 40 Meter hohen Nadelbäumen und Gletscherseen die alpine Landschaft.

IMG_5575_edited.jpg

Der über 30.000 Hektar große Nationalpark im nordöstlichen Teil von Montenegro wurde 1952 gegründet und ist UNESCO-Weltnaturerbe. Žabljak auf 1.456 Metern Seehöhe ist der Hauptort im Durmitor-Gebiets und zugleich die höchstgelegene Stadt Montenegros. Laut der Nationalparkverwaltung wurden im Durmitor über 50 Säugetierarten und 170 Vogelarten registriert. Zu den größeren Säugetieren gehören unter anderem Braunbär, Wolf, Gämse, Reh, Wildschwein, Fuchs, Dachs, Wildkatze und Fischotter. In den höheren, felsigen Regionen findet die Gämse ideale Lebensbedingungen. Außerdem wurden mehr als 1.000 Insektenarten, darunter der Admiralschmetterling, registriert.

185cbbc2-5d0f-41e0-b1f8-2c9384d95ef5.jpg

Wir haben auf der nördlichen Seite des Durmitors zwei Wanderungen unternommen. Eine davon führte vom Parkplatz „Parking Barno“ bei Bosača durch dichte Nadelwälder zum See Zminje Jezero (Schlangensee). Lokale Überlieferungen bieten verschiedene Erklärungen für seinen ungewöhnlichen Namen. Angefangen von der gewunden Küstenlinie bis zu Geschichten über Schlangen, die einst hier wimmelten, bei einem frühen Wintereinbruch erstarrten und deren Schuppen immer noch unter der Wasserfläche glitzern. Uns bot sich das Bild der Felswand der Crvena Greda, die sich mit ihren 2.164 Metern perfekt auf der Wasseroberfläche spiegelte.

IMG_5564_edited_edited.jpg

Der weitere Wegverlauf führte uns in Richtung Schwarzer See. Umgestürzte Bäume lagen kreuz und quer im urigen Wald, und abgesehen vom Summen der Insekten war es mucksmäuschenstill. Als es schließlich durch die Nadelwälder türkisblau hindurchschimmerte, wussten wir, dass der Schwarze See, der so gar nicht schwarz sein wollte, zum Greifen nah war.

IMG_5583_edited_edited.jpg
IMG_5581_edited.jpg

Da der Wasserspiegel im Spätsommer stark sinkt, entstehen zwei miteinander verbundene Seen. Eine schmale Landbrücke verbindet die beiden Wasserflächen. Unsere Wanderung führte einmal rund um den Schwarzen See. Danach verschluckte uns das dunkle Grün des Nadelwaldes wieder und begleitete uns auf dem letzten Abschnitt bis zurück zum Parkplatz.

IMG_5618_edited.jpg

Auf diesem Weg kamen wir noch am Barno Jezero vorbei. Der flache Torfsee liegt ruhig zwischen dichtem Schilf und bildet mit seiner moorartigen Umgebung einen schönen Kontrast zu den anderen beiden Seen.

IMG_5623_edited.jpg

Eine weitere lohnenswerte Wanderung führt hinauf zur Crvena Greda selbst. Der Name des Berggipfels verweist auf die rötlich schimmernden Kalksteinfelsen, die bei entsprechender Sonneneinstrahlung auffallen. Hier kann man einen Abstecher zum höhergelegenen See Jablan Jezero einbauen. Bei unserem Besuch haben sich offenbar zwei Enten zum Synchronschwimmen verabredet, was ein ausgesprochen idyllischer Anblick in der beeindruckenden Berglandschaft war.

IMG_6017_edited.jpg
IMG_6075_edited.jpg

Der Weg zur Crvena Greda ist offener, und je mehr man an Höhe gewinnt wandert man nicht durch Wälder, sondern durch Latschenkiefern. Der Weg führt teilweise über felsigen Untergrund und ist an einigen Stellen durchaus ausgesetzt. Während man im Wald oft nur einzelne Ausschnitte der Landschaft wahrnimmt, öffnet sich hier der Blick über die Bergwelt des Durmitor.

IMG_5980_edited.jpg
IMG_5979_edited.jpg

Richtwerte Seen-Runde Durmitor

Tageskilometer: 9

Höhenmeter hinauf und hinunter: 270

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

Richtwerte Crvena Greda

Tageskilometer hin und zurück: 9

Höhenmeter hinauf und hinunter: 540

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

 

3. Die Bucht von Kotor

Die Bucht von Kotor ist der Touristenmagnet Montenegros. Hohe Kalksteinberge des Orjen-Massivs und des Nationalparks Lovćen umgeben die fjordähnliche Bucht. Venezianer, Osmanen, Österreich-Ungarn und andere Mächte haben hier ihre Spuren hinterlassen.

Besonders spannend fand ich, dass man diese Geschichte nicht nur in Museen findet, sondern auch in den alten Stadtmauern, Festungen, Kirchen, Palästen und sogar auf den Wanderwegen über die Berge nach Tivat.

Gleichzeitig ist Kotor längst ein Hotspot der Kreuzfahrtindustrie: Laut meinem Reiseführer wurde Kotor 2025 von rund 600 Kreuzfahrtschiffen angefahren. Um diesen Touristenströmen zu entgehen ist es empfehlenswert, Kotor in den frühen Morgenstunden zu besuchen.

Bucht von Kotor
IMG_6376_edited.png

Perast

Der historische Ort war früher eine bedeutende Seefahrerstadt. Heute tummeln sich vor allem Tourist*innen in den schmalen Gassen und auf der Promenade. Prächtige Gebäude aus der Zeit des Wohlstands im 17. und 18. Jahrhundert sowie Hotels, Cafés und Restaurants liegen hier unmittelbar nebeneinander. Aber auch Ruinen finden sich in der überschaubaren Altstadt, denn das schwere Erdbeben von 1979 hinterließ auch in Perast seine Spuren.

 

Der Puls der Stadt schlägt rund um die Kirche des Hl. Nikolaus mit ihrem 55 Meter hohen Turm. Der heilige Nikolaus gilt als Schutzpatron der Seefahrer.

IMG_6260_edited.jpg
IMG_6274_edited.jpg

Besonders sehenswert in Perast sind jedoch die beiden Inseln in der Bucht. Die bekannteste ist Gospa od Škrpjela (Maria vom Felsen). Sie ist eine künstlich geschaffene Insel, auf der eine katholische Wallfahrtskirche steht. Die Kirche wurde im 17. Jahrhundert erbaut und später erweitert. Auf der zweiten Insel, Sveti Đorđe (St. Georg) befindet sich ein Benediktinerkloster aus dem 12. Jahrhundert. Im Gegensatz zu Maria vom Felsen ist die Insel allerdings nicht öffentlich zugänglich.

IMG_6233_edited_edited.jpg
IMG_6234_edited.jpg

Kotor

Die Stadt zählt neben Budva und Ulcinj zu den ältesten Städten Montenegros und gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Enge Gassen, kleine Plätze, Kirchen, Paläste und die mächtigen Stadtmauern drängen sich auf engem Raum zusammen. Oberhalb der Stadt thront die Festung Sveti Ivan, von der man einen spektakulären Blick über Kotor und die Bucht hat.

IMG_6333_edited.jpg
IMG_6619_edited.jpg
IMG_6625_edited.png

Die Geschichte Kotors ist eng mit seiner strategischen Lage verbunden. Schon die Venezianer erkannten die Bedeutung der Stadt und bauten sie zu einem wichtigen Handels- und Verteidigungszentrum aus. Später gehörte Kotor, wie auch andere Teile der Region, zu Österreich-Ungarn. Die Bucht wurde damals zu einem bedeutenden Militärstützpunkt der k.u.k. Kriegsmarine.

IMG_6526_edited.jpg
IMG_6473_edited.jpg

Die bereits erwähnten Befestigungsanlagen von Kotor wurden über Jahrhunderte hinweg immer wieder erweitert und verändert. Ihre heutige Gestalt ist vor allem durch die venezianische Herrschaft geprägt.

 

Wir haben uns für einen Aufstieg früh am Morgen entschieden, um der Hitze zu entgehen. Die aufgehende Sonne tauchte die umliegenden Berge in ein zartes Licht, während die Altstadt selbst noch im Schatten lag.

IMG_6589_edited.jpg

Von Kotor nicht wegzudenken sind die vielen Katzen. In den Gassen sitzen sie an den Ecken oder kuscheln sich ungefragt auf die Oberschenkel von Reisenden, während sie ein Buch lesen.

IMG_6611_edited.jpg
5e38c621-70a7-4964-af73-50a7240bf491.jpg

Wandervorschlag: Von Kotor nach Tivat

Unsere letzte Wanderung in Montenegro sollte noch einmal etwas Besonderes werden: Von Kotor über den rund 765 Meter hohen Gipfel Sveti Ilija auf der Halbinsel Vrmac bis nach Tivat.

 

Von unserem Hotel in der Altstadt aus gingen wir zunächst entlang der Bucht bis ans andere Ende von Kotor. Nach ungefähr 20 Minuten begann der eigentliche Aufstieg. Zuerst führten unzählige Stufen steil nach oben, danach wurde der Weg angenehmer. Besonders schön waren die sorgfältig angelegten Serpentinen mit der alten Steinmauer unterhalb des Weges. Diese erinnern ebenfalls an die österreichisch-ungarische Vergangenheit der Region. Denn auf der Halbinsel Vrmac entstand im 19. Jahrhundert ein weit verzweigtes Netz aus Militärwegen, Stufen und Befestigungsanlagen.

IMG_6328_edited_edited.png
IMG_6337_edited_edited.jpg

Am Bergkamm angekommen, änderte sich die Landschaft, denn der Weg führte zuerst über einen Pinienwald in Richtung Gipfel, später über eine Schotterstraße. Dabei eröffneten sich immer wieder tolle Ausblicke auf das Meer, die Bucht und die umliegende Bergwelt.   

IMG_6360_edited.jpg
IMG_6367_edited.jpg

Der Gipfel selbst war dann etwas gewöhnungsbedürftig, denn ein mit Ziegenkot übersätes Häuschen, ein Sendemast und eine überdimensionierte Werbereklame erwarteten uns. Doch all das tat dem grandiosen 360-Grad-Panorama keinen Abbruch. Die Aussicht war schlicht ein Traum.

IMG_6373_edited.jpg
IMG_6425_edited.jpg

Der Abstieg nach Tivat führte größtenteils durch einen mediterranen Wald und über Schotterstraßen und Waldpfade.

IMG_6441_edited_edited.jpg
IMG_6445_edited_edited.png

Der Ort präsentiert sich deutlich moderner als Kotor. Wo früher der militärische Charakter dominierte, liegen inzwischen luxuriöse Yachten im Wasser und eine gepflegte Uferpromenade lädt zum Flanieren ein. Für die Rückfahrt nach Kotor gönnten wir uns ein Wassertaxi, um die Bucht und die beiden Orte auch aus der Wasserperspektive zu erleben.

IMG_6451.JPG

Richtwerte

Tageskilometer: 16

Höhenmeter hinauf und hinunter: 770

Diese Tour habe ich hier abgespeichert.

 

 

 

Regional genießen

Aufgrund historischer Entwicklungen und unterschiedlicher Anbaubedingungen gibt es in Montenegro je nach Region ganz eigene kulinarische Traditionen. An der Küste ist der Einfluss des Mittelmeers unverkennbar. Weiter im Landesinneren wird es deftiger. Hier stehen Fleisch, Kartoffeln, Maismehl, Käse und Milchprodukte auf dem Speiseplan. Gut, dass auf den Speisekarten meistens Gramm-Angaben zu finden sind. So war es auf unserer Reise keine Seltenheit, dass wir uns eine Portion Fleisch geteilt und dafür noch etwas mehr von den Beilagen bestellt haben. Und dass uns auf unserer Reise durch Montenegro der Anblick der Fast-Food-Kette mit dem großen M erspart blieb, habe ich als sehr befreiend empfunden.

Regional genießen
IMG_4404_edited.png

Ein Gericht, das man in Montenegro unbedingt einmal probieren sollte, ist Kačamak. Auf unserer Speisekarte stand beispielsweise „Kačamak me Kos“ – also Kačamak mit Käse.

Die Grundlage dafür bildet Maismehl, häufig kombiniert mit Kartoffeln und verschiedenen Milchprodukten. Je nach Region und Rezept kommen Käse und Kajmak dazu. Kajmak ist ebenfalls ein traditioneller cremiger Aufstrich auf Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilchbasis.

 

Außerdem gehören regionale Käsesorten, wie der geräucherte Njeguški oder der Schichtkäse „Kolašinski lisnati sir“, zur kulinarischen Identität des Landes.

Wer Fleisch mag, kommt in Montenegro ebenfalls voll auf seine Kosten. Besonders typisch ist „Lammfleisch unter der Glocke“. Dafür wird das Fleisch zusammen mit Kartoffeln und je nach Rezept weiterem Gemüse in eine Metallschale gelegt. Darüber kommt eine schwere, glockenförmige Abdeckung. Auf diese werden dann glühende Kohlen und Asche gelegt. Das Fleisch gart dadurch langsam in der eingeschlossenen Hitze und im eigenen Saft. Das Ergebnis ist ein besonders zartes und aromatisches Fleisch.

 

Eine weitere Spezialität, die uns immer wieder begegnet ist, ist die Kornelkirsche. Die kleinen roten Früchte schmecken leicht herb und säuerlich und werden eher selten frisch gegessen. Häufiger findet man sie als Saft, Marmelade oder in anderen hausgemachten Produkten. Und auch die Heidelbeeren, von denen wir in den Bergen viel genascht haben, werden so verarbeitet.

 

Wer die regionale Küche nicht nur im Restaurant, sondern dort erleben möchte, wo die Produkte verkauft werden, sollte einen Blick auf die Markttage werfen. Der offizielle Gastro-Führer des montenegrinischen Tourismusverbands führt dafür eine ganze Reihe von Orten auf.

Nähere Infos: Der Gastroführer durch die montenegrinische Küche

 

Neben der Küche gehört auch der Wein fest zur kulinarischen Identität Montenegros. Besonders bekannt ist die rote Rebsorte Vranac, die als eine der wichtigsten autochthonen Rebsorten des Landes gilt.

 

Das Becken des Skadarsees und die Region rund um die Hauptstadt Podgorica bilden das größte und bedeutendste Weinbaugebiet Montenegros und zugleich treffen hier zwei ganz unterschiedliche Welten des Weinbaus aufeinander.

Auf der einen Seite steht eines der größten Weinbauunternehmen Südosteuropas, „13. Jul – Plantaže“, mit dem über 2.000 Hektar großen Weingebiet Čemovsko Polje. Rund zehn Millionen Rebstöcke wachsen hier auf einer zusammenhängenden Fläche.

 

Die drei Weinkeller des Unternehmens verfügen zusammen über eine Kapazität von 33 Millionen Litern. Besonders beeindruckend ist der Weinkeller Šipčanik, ein ehemaliger unterirdischer Militärflugzeughangar. Er ist  ein 356 Meter langer Tunnel und mehr als 30 Meter unter der Erde.

IMG_5184_edited_edited.png
24963dd9-d880-4c52-9208-5a1ddd2a6430.jpg

Auf der anderen Seite stehen kleine Familienbetriebe wie das Weingut Jablan, die auf wenigen Hektar biologisch und biodynamisch arbeiten, alte Rebstöcke pflegen und ihre Weine in kleinem Maßstab herstellen.

 

Eine Besonderheit ist der Orangewein „Dodir“. Der Wein wird mit den Traubenschalen vergoren und anschließend reift er in georgischen Qvevri-Amphoren, die im Kellerboden eingelassen sind.

Anreise und Mobilität vor Ort

Anreise und Mobilität vor Ort

Ab Wien soll es künftig einen Direktzug nach Belgrad, der Hauptstadt Serbiens, geben. Da es diesen im August 2026 noch nicht gab, sind wir mit Umsteigen in Budapest (inklusive Bahnhofswechsel) und Szeged nach Subotica gefahren. In Subotica haben wir die erste Nacht verbracht, bevor es am nächsten Tag mit dem Direktzug nach Bijelo Polje weiterging.

IMG_3953_edited.png

Szeged

Die Bahnstrecke von Belgrad nach Bar zählt zu Titos Prestigeprojekten und wurde nach einer Bauzeit von 25 Jahren 1976 eingeweiht. Auf der rund 476 km langen Strecke durchquert man Canyons und fährt über eine der höchsten Eisenbahnbrücken in Europa.

 

Der Mala-Rijeka-Viadukt ist knapp 500 Meter lang und verläuft 198 Meter über dem Talgrund. Die Fahrt ist auch mit Nachtzug buchbar. Das Herzstück der Strecke ist zwischen Kolašin und Podgorica.

IMG_3971_edited.jpg

Subotica

IMG_3981.JPG

Seit dem Sommer 2026 kann man die Fahrkarten auch online bei der serbischen Bahngesellschaft Srbijavoz buchen. Zur Website geht´s hier entlang.

 

Die Heimreise traten wir über Kotor an. Zuerst ging es per Flixbus nach Dubrovnik, wo wir ebenfalls eine Nacht blieben. Am nächsten Morgen reisten wir wieder mit dem grünen Bus nach Split weiter. Am Nachmittag nutzten wir die freien Stunden für eine Besichtigung der Altstadt mit dem eindrucksvollen Diokletianspalast. Die Zeit verging wie im Flug und am Abend traten wir mit dem Nachtzug von Split nach Wien die letzte Etappe unserer Reise an.

IMG_6737_edited.png
91488630-8d77-4c86-b901-79ec7c950302.jpg

Eine andere Variante ab Dubrovnik ist, mit dem Schiff entlang der dalmatischen Küste und vorbei an ihren Inseln nach Split zu fahren. Angeboten wird diese Fahrt von Frühjahr bis Herbst von den Fährgesellschaften TP-Line und Kapetan Luka.

 

Zur Website der montenegrinischen Eisenbahn geht´s hier entlang.

 

Zwischen den größeren Städten in Montenegro gibt es außerdem Busverbindungen. Das Streckennetz wird dabei durch viele kleine und mittlere Busunternehmen bedient. Die Website „Busticket4me“ ist eine gute Anlaufstelle.

 

Für unseren Aufenthalt in Montenegro entschieden wir uns für einen Mietwagen, mit dem wir von Podgorica bis Kotor unterwegs waren. Für den Teil unserer Reise „Über die Grenzen gehen: Auf den Spuren der Peaks of Balkans“ waren zahlreiche Transfers notwendig, die über die lokale Agentur vor Ort organisiert worden waren. Diese Weitwanderung unternahm ich als geführte Wanderreise mit WELTANSCHAUEN.

 

 

Tourismusverband

www.montenegro.travel/de

Spartipp: In den montenegrinischen Nationalparks muss man jeweils Eintritt zahlen. Hat man vor, mehrere Nationalparks während der Reise zu besuchen, lohnt eine Jahreskarte. Diese kann man online kaufen. Bereits nach drei Eintritten rechnet sich diese (Stand 2026). 

Permit Peaks of the Balkans

Da der Peaks of the Balkans Trail durch mehrere Länder führt und dabei Landesgrenzen im Gebirge überquert, benötigt man für die grenzüberschreitenden Abschnitte entsprechende Permits. Die Genehmigungen müssen mindestens 15 Tage vor Beginn der Wanderung bei der zuständigen Polizeibehörde beantragt werden. Nähere Infos findet man auf der „Peaks of the Balkan“ Website.

 

Website Peaks of the Balkans

www.peaksofthebalkans.com

Tourismusverband
bottom of page