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Die March-Thaya-Auen

Die March-Thaya-Auen im östlichen Niederösterreich stellen das Grenzgebiet zu Tschechien und der Slowakei dar. Zusammen mit dem tschechischen und dem slowakischen Anteil bilden sie auf ca. 60.000 Hektar ein Ökosystem für über 500 gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

In Österreich (ca. 12.000 Hektar) erstreckt sich das Gebiet von Bernhardsthal im äußersten Nordosten von Niederösterreich bis zur Mündung in die Donau.

Die Auen sind ein Natura 2000 Schutzgebiet und Teil des drei Staaten übergreifenden Trilateralen Ramsar Schutzgebietes. Das Ziel der Ramsar-Konvention liegt im Schutz und in der nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten.

 

Schon gewusst? Natura 2000 Schutzgebiete sind ein Netzwerk von über 27.000 Schutzgebieten in über 27 EU-Ländern und das Kernstück der europäischen Naturschutzpolitik. Der Natura-2000-Viewer ist ein Online-Tool, das alle Natura-2000-Gebiete präsentiert.

 

March und Thaya wurden im 20. Jahrhundert begradigt, die March wurde ca. 10 km kürzer, die Thaya um ca. 3 km. Durch die Begradigung erhoffte man sich damals folgende Vorteile:

  • Verbesserung der Landbewirtschaftung und Reduktion der Überflutungen durch gleichzeitige Errichtung von Hochwasserschutzanlagen

  • Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse

  • Grenzfestlegung und bessere Grenzüberwachung zwischen der ehemaligen Tschechoslowakei und Österreich („Eiserner Vorhang“)

 

80 Prozent der Auwiesen gingen verloren, 75 Prozent der Uferabschnitte wurden verbaut und 18 Nebenarme und Mäander (Fluss-Schlingen) abgetrennt.

Um die unteren March-Auen, von Angern an der March bis zur Mündung in die Donau bei Markthof, wieder zu renaturieren wurde von 2011 bis 2019 ein Life+ Projekt durchgeführt. Projektziele waren unter anderem die Wiederherstellung einer naturnahen Flussdynamik (es entstanden neue Seitenarme und Inseln) und der Erhalt einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt.

Die naturnahen Wälder in den Auen haben einen hohen Anteil an Alt- und Totholz und die kleinen Gewässer, die sogenannten Sutten, die oft nur temporär sind, bieten zum Beispiel Urzeitkrebsen einen wertvollen Lebensraum. Die Rotbauchunke, die Europäische Schildkröte, der Schwarzstorch, der Wachtelkönig und nicht zu vergessen der Seeadler sind nur einige Lebewesen, die in den Auen heimisch sind.

Außerdem stellen die Auwaldlandschaften, gemeinsam mit den Donauauen, Wanderkorridore (Alpen-Karpaten-Korridor) für unzählige Tierarten dar.

 

Wie werden die Aulandschaften durch den Klimawandel bedroht?

Bei den beiden Flüssen handelt es sich um Tieflandflüsse mit ausgedehnten Grünlandgebieten. Im Frühjahr werden u.a. durch die Schneeschmelze die Ufer regelmäßig überschwemmt. Durch einen zunehmenden Schneemangel in Tschechien und im slowakischen Mittelgebirge, dem Einzugsgebiet der Flüsse, schmilzt im Frühjahr weniger Schnee, was zur Folge hat, dass immer mehr Augewässer vertrocknen. Der WWF schlägt u.a. folgende Lösungen vor:

 

  • Flüsse und Gewässer revitalisieren

  • Flächen erhalten und pflegen, Bauprojekte verhindern

 

Außerdem werden die Gemeinden der March-Thaya-Auen seit heuer durch das Förderprogramm „KLAR! – Klimawandel-Anpassungsmodellregionen“ unterstützt. Ziel ist es, regionale Bedrohungen des Klimawandels zu erkennen, sich an die Folgen anzupassen und den Wohlstand im ländlichen Raum abzusichern.

 

Meine Besuchertipps:

Um Besucher zu informieren, wurden unter anderem Ökozentren in Österreich und der Slowakei errichtet. In der Marktgemeinde Hohenau an der March wurde im August 2020 das March-Thaya- Zentrum feierlich eröffnet.

 

Im Storchenhaus Marchegg erhalten Sie einen genauen Einblick in das Leben der Störche und der Au. Das Informationszentrum bietet unterschiedlichste Exkursionen an.

 

Der Verein AURING beschäftigt sich mit Beobachten, Erforschen und Dokumentieren der Natur in den oberen March-Thaya Auen.

 

Aktivitäten vor Ort:

Entdecken Sie auf der Lama-Alpakaranch Bernhart mit tierischen Begleitern die Landschaft von Drösing.

 

Erleben Sie die Geschichte der Spaltung Europas beim Radeln am Iron Curtain Trail. Der Fahrradweg EuroVelo 13 verläuft 9.000 km von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer durch insgesamt 17 Länder entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Klicken Sie hier für ein zweiminütiges Einstimmungsvideo auf YouTube inklusive dem Buchtipp Iron Curtain Trail, geschrieben von Marianne Winter und Peter Wacker.

 

Wollen Sie keine 9.000 km radeln, sondern nur 45 Kilometer, lege ich Ihnen den Natura Trail March-Thaya-Zwickel ans Herz. Dieser Radweg verläuft zwischen Österreich, Tschechien und der Slowakei durch eine naturbelassene Auenlandschaft.

Ein besonderes Erlebnis ist, es die Thaya bei einer Kanu-Tour zu erkunden. Auf einem Kanu sind Sie intensiver mit dem Fluss verbunden und Sie erhalten eine andere Perspektive als zu Fuß oder mit dem Rad. Ich persönlich bin in den letzten Jahren ein Kanu-Fan geworden und Anfang September wurde bei Sonnenschein nach mehrmaligem und etwas mühseligem Verschieben ein kleiner Traum wahr: Die Thaya von Bernhardsthal rund 19 km stromabwärts zu erkunden. Den letzten Kilometer paddelten wir auf der etwas breiteren und stillen March. Wir machten Rast auf einer wunderschönen Schotterbank, wo Wasserratten die Möglichkeit hatten, sich in der Thaya abzukühlen, und wo ich unerwarteterweise viele Flussmuscheln bestaunt habe. Im Kanu selbst ist mit drei Kindern Teambuilding gefragt.

Mieten können Sie Kanus bei Kanu-Ferl. Wir hatten eine geführte Kanu-Tour mit Martin Gleiss gebucht, einem Naturvermittler, der uns neben der Tour viel über die March-Thaya Auen erzählt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Unterkunftstipp:

Eine nicht alltägliche Unterkunft ist der Winzerhof Küssler in Grub an der March. Neben dem Ferienhaus und einigen Wohlfühlzimmern haben Sie die Möglichkeit, in einer der fünf Weinfass-Suiten zu träumen. Die 9.000 Liter fassenden Original-Weinfässer wurden zu gemütlichen Betten umfunktioniert.

Romantikern empfehle ich das Paket: Romantik-Wellness. Entspannen Sie bei 36 Grad in einem Holzfass, welches mit anregenden Pflegekombinationen aus Rotwein und Traubenkernextrakten gefüllt ist. Nach dem Bad lassen Sie den Tag in einem 130-jährigen Kellergewölbe bei Kerzenschein und romantischer Musik ausklingen.

Nachhaltige Ansätze sind ein E-Bike Verleih, die Wiederverwendung der Weinflaschen, effiziente Geräte, die Umstellung auf Naturverpackungen sowie Farbdruck und last not least selbstgemachte Aufstriche, die den Gästen in Gläschen gereicht werden.    

 

Anreise:

Hohenau an der March ist direkt vom Wiener Hauptbahnhof in knapp über einer Stunde bequem erreichbar.

Dieser Artikel ist in meinen Oktober Reise-Inspirationen erschienen.  

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