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Moore – die unterschätzten Kohlenstoffspeicher

 

 

Global gesehen sind Moore wichtige Langzeit-Kohlenstoffspeicher und unterschätzte „Klimaschützer“.

Waldaufforstungen sind beliebt, bei Monokulturen wenig resilient, und mit Risiken wie einer Entwurzelung durch Sturm oder durch Waldbrand verbunden. Technische Innovationen sind kostspielig, großteils (noch) nicht ausgereift und gehen oft mit negativen Begleiterscheinungen einher.

 

Intakte Moore sind wahre Allrounder: Sie binden jährlich weltweit etwa 150 bis 250 Millionen Tonnen Kohlendioxid (Quelle: Bundesamt für Naturschutz). Anders ausgedrückt entspricht die Menge an gespeichertem Kohlenstoff in einem Hektar Moor durchschnittlich den jährlichen Emissionen von rund 1.400 Autos (Quelle: Katapult).

Außerdem sind Moore ein Hotspot der Biodiversität, da sie ganz spezielle und an den Lebensraum

Moor angepasste Lebewesen beheimaten.  Mit ihrem enormen Wasserspeicher sind sie auch Hochwasserschutz, Klimaanlage, und last but not least agieren Moore als Filter, da sie Schadstoffe im Torf zurückhalten.

 

Obwohl sie nur 3 % der terrestrischen Erdfläche bedecken, binden sie in ihren Torfschichten ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs, etwa doppelt so viel wie alle Wälder weltweit in ihrer Biomasse. (Quelle: Bundesamt für Naturschutz)

 

Wie funktioniert das Ökosystem Moor?

Moore sind nicht Land und nicht Wasser, sie sind ökologische Übergangszonen, die aus ca. 95 Prozent Wasser bestehen. Sie saugen wie ein Schwamm Wasser an und geben bei Trockenheit dieses an ihre Umgebung langsam und regelmäßig ab. Der Kreislauf kurz und knapp erklärt:

 

  • Die im Moor wachsenden Pflanzen benötigen CO2, und lagern den Kohlenstoff in ihrer Biomasse ein,

  • sterben sie ab, wird das Klimagas im Boden gespeichert,

  • aufgrund der Feuchtigkeit und des Luftabschlusses zersetzen sich diese Pflanzen sehr langsam und nicht vollständig,

  • es entsteht Torf.

 

Im Laufe vieler Jahrtausende haben sich Moore so zu einem gigantischen Kohlenstoff- und Stickstoffspeicher entwickelt. Durch die Bildung von Torf wachsen naturnahe Moore kontinuierlich, pro Jahr einen Millimeter. So begann das Wachstum deutscher und österreichischer Moore bereits nach der letzten Eiszeit.

 

Werden Moore trockengelegt, setzen sie riesige Mengen CO2, Methan (CH4) und Lachgas (N2O)

frei, und es entsteht statt einem Treibhausgasspeicher eine Treibhausgasquelle.

Trockengelegte Moore stoßen jährlich doppelt so viel CO2 aus wie der weltweite Flugverkehr.

(Quelle: Greifswald Moor Centrum)

 

Allein in Deutschland werden jährlich über 9 Millionen Kubikmeter Torf für verschiedenste Produkte abgebaut. Über 40 Prozent davon nutzen private Gärtner. Auch in Österreich werden 90 Prozent des verwendeten Torfs in Beet, Kisterl und Co verarbeitet. (Quelle: Nabu und Biologische Vielfalt)

 

Mein Tipp:

  • Kaufen Sie Erde aus regionalen Kompostwerken

  • Kaufen Sie torffreie Erde (zum Beispiel werden in mehr als 160 „Natur im Garten“-Partnerbetrieben entsprechende Produkte angeboten)

  • Legen Sie einen eigenen Kompost an oder investieren Sie in einen Wurmkomposter

 

Die meisten Moore existieren heute noch jenseits des Polarkreises, an den Meeresküsten der Subtropen und in den Regenwaldgebieten der Tropen. Diese zu schützen ist von grundlegender Bedeutung.

In Österreich gibt es noch fast 3.000 Moorflächen mit einer Gesamtfläche von ca. 26.600 Hektar, vorwiegend in Vorarlberg, Tirol und Salzburg. 90 Prozent der ursprünglichen Moorflächen in unserem Heimatland sind bereits verloren, von verbliebenen Moorgebieten weisen rund zwei Drittel gestörte Wasserhaushalte auf. (Quelle: WWF)

 

Eine Renaturierung der Moore ist notwendig und essenziell, auch wenn sich diese nur sehr langsam regenerieren. Dass es möglich ist, zeigt Indonesien: In den Jahren zwischen 2017 – 2021 wurden 3,6 Mio. Hektar Moor wiedervernässt. Das sind fast 20x mehr, als ganz Europa in seiner Geschichte wiedervernässt hat, so Prof. Hans Joosten (Greifswald Moor Centrum).

Da wir in Europa aufgrund wirtschaftlicher Interessen nicht alle Moore fluten können, ist Paludikultur möglicherweise ein Hoffnungsträger.

 

Was versteht man unter Paludikultur („palus“ – lat. „Sumpf, Morast“)?

Eine nasse land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung von Mooren. Eine Nutzung bei Erhaltung des Torfs als Produktionsgrundlage.

Paludi-Pioniere, wie Moore and More nutzen nachwachsende und ökologische Rohstoffe der Moore z.B. zum Bau von Tinyhouses. Folgende Rohstoffe für Bau- und Dämmmaterialien können in wiedervernässten Mooren naturverträglich geerntet und genutzt werden: Schilf, Rohrkolben, Erle, Seggen, Rohrglanzgras.

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Copyright: Moor and More

Moorschutz ist Arten-, Wasser- und Klimaschutz!

 

Weiterführende Informationen:

Moorschutz Aktionen und Projekte des NABU in ganz Deutschland finden Sie hier.

 

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus veröffentlichte am Weltfeuchtgebietstag (2. Februar 2022) die Moorstrategie Österreich 2030+ .

Diese enthält neben der gemeinsamen Strategie mit den Bundesländern fachlichen Grundlagen, Maßnahmen und Aktionspläne für die kommenden Jahre.

 

Darin werden auch Best-Practice-Beispiele wie die Lebensraumverbesserung im Natura 2000 Gebiet Gamperlacke bei Liezen beschrieben.

 

Livestream zur Konferenz: Moorschutz ist Klimaschutz (Berlin März 2022)

 

Grafiken und Fakten finden Sie in der Globalen Moordatenbank des Greifswald Mire Centers in Kooperation mit der International Mire Conservation Group.

 

5 Ausflugstipps für heimische Moore

1. Leckermoor

Das 25 Hektar große Naturschutzgebiet Leckermoos in Hochreit bei Göstling liegt auf 860 Meter Seehöhe und ist mit dem Leckermoor eines der größten und schönsten Hochmoore in Niederösterreich. Das Hochmoor wurde in den Jahren 2004 bis 2006 renaturiert, nachdem es unter menschlichen Eingriffen stark gelitten hat. Ein Lehrpfad in Form eines Rundwanderweges bringt Ihnen in 11 Stationen das Ökosystem Moor näher.

Ich persönlich liebe dieses Moor, da es abgesehen von Naturgeräuschen, totenstill ist.

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2. Moorbad Schrems – Heidenreichsteiner Moor

Direkt aus dem Hochmoor kommt das Wasser des Moorbades in Schrems, ein modernes und naturnahes Freibad mit allen Annehmlichkeiten. Die „Himmelsleiter”, eine 20 m hohe Aussichtsplattform, ist nach einem kurzen Spaziergang schnell erreicht und garantiert Ihnen einen Ausblick über die faszinierende Torflandschaft und den Naturpark. Sehenswert ist das Unterwasserreich mit Erlebnis–Ausstellung im Innenbereich und einem Wassergarten mit Fischottergehege im Außenbereich.

Rund 15 km nördlich von Schrems befindet sich das Haus des Moores. Ein 250 m2 großes Museum, dessen Schwerpunkte u.a. die Entstehung und die medizinische Bedeutung der Moore, die Pflanzen- und Tierwelt sowie Naturschutz und Torfgewinnung sind. Der Naturpark Heidenreichsteiner Moor lockt mit fleischfressenden Pflanzen, Jagdspinnen und mystischen Felsformationen, die sich am besten auf einer Wanderung oder bei einer Führung entdecken lassen.

3. Tanner Moor

Das Moor im Gemeindegebiet von Liebenau im nordöstlichen Mühlviertel ist das größte Latschenhochmoor in Österreich. Nach einem 6 km langen Rundwanderweg bietet sich

der von Wiesen und Wäldern umgebene Naturmoor-Badesee Rubener Teich für einen Sprung in das erfrischende Nass an.

 

Die Pädagogin Daniela Wansch bietet eine Schatzsuche im Moor an. Eingebunden in die Geschichte des Tanner Moores will sie auf spielerische Weise die Neugierde der Kinder und Jugendlichen für das Thema Moor und Umwelt wecken.

Bei der Führung „Wo Pflanzen Tiere fressen“ erfahren Sie u.a., welche Produkte aus den verschiedenen Pflanzen hergestellt werden.

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Copyright: Marktgemeinde Liebenau, Foto Grafik Bruno Haneder

4. Ibmer Moor-Weidmoos-Bürmoos-Moorkomplex

Entdecken Sie an der oberösterreichisch-salzburgischen Grenze den größten zusammenhängenden Moorkomplex in Österreich. Auf das oberösterreichische Ibmer Moor entfällt dabei ca. die Hälfte der Gesamtfläche. Wandern Sie durch das Ibmer Moor oder das Weidmoos (ein Vogelschutzgebiet und -paradies). Die Gesamtfläche der Moore ist 2.000 ha groß, das Alter wird auf 12.000 bis 17.000 Jahre geschätzt.


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Von links: Purpurreiher, Lachmöve, Eisvogel und Rohrweihe. Copyright: Weidmoos Vogelschutzgebiet

Am Bürmooser Moorerlebnis-Rundweg erfahren einerseits etwas über Flora und Fauna des Moorgebietes, andererseits wie eng das Moor mit der Gemeinde Bürmoos in der Vergangenheit verbunden war.

 

Während im Weidmoos und im Bürmooser Moor noch bis Ende des letzten Jahrhunderts Torf abgebaut wurde, blieben im Ibmer Moor Teilbereiche verschont.

Entspannen und planschen Sie an warmen Moorbadeseen wie dem Holzöstersee oder in einem der anderen sechs Naturbadeseen.

 

Naturschauspiel Oberösterreich führt an ausgewählten Terminen nächtliche Exkursion ins Moor. Bei Laternenschein entsteht eine beeindruckende mystische Stimmung in dieser Urlandschaft. Lauschen Sie dabei einer spannenden Sage und erkunden das eine oder andere Moorgeheimnis.

5. Wenger Moor

Das Wenger Moor, am Nordwestufer des Wallersees liegt nördlich von Salzburg. Es ist eines der größten naturnahen Moorgebiete im Salzburger Flachgau. Das ca. 300 Hektar große Naturschutzgebiet Wallersee-Wengermoor wurde bereits im Jahr 1973 unter Naturschutz gestellt. 1995 wurde es zu einem Natura 2000-Gebiet und ein Jahr später zu einem Vogelschutzgebiet erklärt. Von 1999 bis 2004 wurde ein Renaturierungsprojekt durchgeführt.

Damals wich der Fichtenforst wiederhergestellten Streuwiesen, Fettwiesen wichen extensiveren Wiesen, der Eisbach wurde renaturiert und ein 35 ha großes Moor wurde wiedervernässt.

 

Bei Ihrem Besuch erwartet Sie ein Mosaik aus Hoch-, Nieder-, und Übergangsmooren sowie Streu- und Feuchtwiesen und kleinen, idyllischen Bachläufen. Selten gewordene Tier- und Pflanzenarten wie der Wachtelkönig oder die Sibirische Schwertlilie finden hier ein zu Hause. Unzählige Vogelarten nutzen das Gebiet als Brut- und Rastgebiet.

 

Ein ca. 3 km langer Themenweg führt Sie durch das Moor.

 

Die „Hausordnung“ der Moore:

  • Bleiben Sie auf markierten und gesicherten Wegen

  • Entzünden Sie kein offenes Feuer

  • Nehmen Sie Ihre vierbeinigen Lieblinge an die Leine und sammeln Sie ihre Hinterlassenschaften ein. Denn Hundekot ist wegen des nährstoffreichen Eintrages in einen nährstoffarmen Boden oft der Pflanzentod

  • Hinterlassen Sie keinen Müll