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Nah und unbekannt: Ungarn

Wie gut kennen Sie Magyarország, was so viel wie "Land der Ungarn" bedeutet?

Bis auf einen Zahnarztbesuch in meiner Jugend in Szombathely und einen Wochenendtrip nach Budapest war Ungarn für mich so exotisch wie die Mongolei. Bei einem Besuch einer Therme in Lutzmannsburg fragte ich mich oft, welche Naturschönheiten liegen wohl hinter dem Horizont? Besteht Ungarn nur aus Puszta, Plattensee, Budapest und Langosch? Das konnte ich nicht glauben, deshalb ging ich meiner Lieblingstätigkeit nach: Recherchieren. Wie jedes Mal war ich auch dieses Mal erstaunt, was ich alles über Ungarn gelernt habe. Meine daraus gewonnenen Erkenntnisse teile ich gerne mit Ihnen.

 

Das Volk der Ungarn kam ursprünglich aus Asien. Im 16. und 17. Jahrhundert besetzten die Osmanen Ungarn. 1867 wurde Ungarn Teil der Habsburger Monarchie und 1918 zur Republik. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ungarn kommunistisch regiert. Diese Phase endete 1989.

Ungarn liegt im Zentrum der pannonischen Tiefebene und ist mit 93.030 km2 um rund 10.000 km2 größer als Österreich.

 

Ungarns Nationalparks

Der Bükk Nationalpark ist ein beliebtes Wanderziel und ein Karstgebirge mit knapp 1.000 Meter Seehöhe. 97 Prozent des Nationalparks sind bewaldet, vorrangig mit Buchen, die dem Nationalpark ihren Namen gaben. Diese Gegend ist reich an Höhlen, engen Schluchten, und sie beheimatet Ungarns höchsten Wasserfall, den Lillafüred.

 

Der Aggteleki-Nationalpark an der slowakischen Grenze ist bekannt für sein 25 km langes Höhlensystem. Die Baradla-Höhle ist die größte Tropfsteinhöhle Europas.

 

Verlassen wir die Höhlen und Wälder und kommen in die Puszta. Der Hortobágy National Park wurde 1973 gegründet und ist die größte zusammenhängende natürliche Grassteppe Europas. Ungarns zweitberühmteste Puszta ist die Bugac Puszta, gelegen zwischen Donau und Theiß im Nationalpark Kiskunság.

Der Nationalpark wurde so wie der Őrség Nationalpark mit dem EDEN Award (European Destinations of Excellence) ausgezeichnet.

Schon gewusst? Der Eden Award wurde 2006 gegründet und ist ein EU-Projekt zur Förderung nachhaltiger Tourismusmodelle innerhalb der Europäischen Union.

 

Zurück zur Theiß, sie entspringt in der Ukraine (Karpaten) und ist mit 966 km der längste Nebenarm der Donau. In den 70er Jahren wurde ein ungarischer Teil der Theiß reguliert und in einen künstlich angelegten Stausee umgewandelt. Der 29 km lange See wirkt wie eine Au-Landschaft, die im Gegensatz zum Plattensee erst spät vom Tourismus entdeckt wurde. In den 15 Häfen stehen Besuchern Kanus und Kajaks zur Verfügung. Rund um den See gibt es Wander- und Radwege.

 

Erkunden Sie den Nationalpark Donau-Drau am besten bei einer Kanutour. 

 

Der rund 50.000 Hektar große Nationalpark erstreckt sich östlich der Stad Szekszárd bis hin zur kroatischen Grenze. Die natürliche Grenze im Osten ist die Donau und im Süden die Drau. Den nördlichen Teil bildet der Gemencer Wald (ein Auwald) mit toten Flussarmen, Teichen, Sümpfen, ein Eldorado für Rotwild, Wildschweine, Spechte, Schwarzstörche, Seeadler und Reiher.

 

Im Nationalpark Balaton Oberland nördlich des Balatons wechseln sich Hügel mit Tälern ab. Der Bakony Balaton Geopark ist Teil des Nationalparks und ist Zeuge der reichen geologischen Vergangenheit. Unternehmen Sie eine Bootsfahrt im glasklaren, leuchtend blauen Höhlensee der Tapolca Seehöhle. Diese wurde 1903 während des Aushebens eines Brunnens zufällig entdeckt.

 

Mit dem Őrség-Nationalpark sind wir an der Grenze von Österreich angekommen. Der Nationalpark ist gemeinsam mit dem österreichischen Naturpark Raab und dem slowenischen Naturpark Goričko ein Dreiländerpark geworden.

 

Worauf warten Sie? Radeln sie mit dem E-Bike an einem Tag durch drei Länder, wandern Sie durch die Gegend und seien Sie dem Biber auf der Spur.

Auf österreichischer Seite wurden 2020 Single-Kanutouren angeboten, eine mögliche Chance, den Partner oder die Partnerin fürs Leben zu finden und 2021 finden Vollmondwanderungen statt. 

 

Der für uns wohl bekannteste Nationalpark ist der Fertő-Hanság-Nationalpark, der in den Nationalpark Seewinkel übergeht.

 

Der Frühling ist ein wahrer Hotspot an verschiedensten Vögeln im Nationalpark Seewinkel.

Ein Auszug Ungarischer Städte

Debrecen wird das Tor zur Puszta genannt und liegt im äußersten Osten von Ungarn. Die Universitätsstadt war in der über 600-jährigen Geschichte zwei Mal Ungarns Hauptstadt. Sie ist die zweitgrößte Stadt im Land. Inmitten der Stadt die „grüne Lunge“. Ein Wald mit Thermalquellen und einem Bade- und Heilzentrum.

 

Die an einem Hügel erbaute südungarische Stadt Pécs (Fünfkirchen) war 2010 Kulturhauptstadt und ist mit einer 1.600 Jahre alten unterirdischen Grabkammer UNESCO Weltkulturerbe. Anfang des 2. Jahrhunderts stand sie unter römischer Herrschaft und trug den Namen Sopianae.

Eine imposante Basilika, eine historische Altstadt mit Museen, Denkmälern und die umliegenden Weinberge machen den Reiz von Pécs aus.

 

Schon gewusst? Die Moschee Gazi Khassim wird heute als römisch-katholische Kirche genutzt.

 

Das Sopron eine der schönsten mittelalterlichen Städte Ungarns ist, wissen viele. Aber haben Sie gewusst, dass hier der Radweg entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs (Iron Curtain Trail)? Unweit des Radwegs befindet sich zum Beispiel das Esterházy Schloss in Fertőd oder das Jurisics Schloss in Köszegs. Der Fahrradweg verläuft stets im Grenzgebiet zwischen Ungarn und seinen Nachbarländern.

 

Neben der Hauptstadt Budapest freuen sich Städte wie Szeged, gelegen am Ufer der Theiß oder Tata, eine Kleinstadt am Wasser mit einer Burg, ebenfalls von Ihnen entdeckt zu werden. 

 

Ungarns Thermalbäder

Ein entspanntes Bad im warmen Thermalwasser, was für ein herrliches Gefühl, besonders wenn die Außentemperatur alles andere als warm ist. So ein Luxus ist im Winter in unseren Breiten meist mit sehr hohen Energiekosten verbunden.

 

Will ich mich in warmen Gewässern entspannen, die mir Mutter Natur wärmt, habe ich zwei Optionen: Mit dem Flieger nach Island zu fliegen oder mit der Bahn nach Ungarn zu reisen.

Unser Nachbarland trumpft mit rund 1.300 Thermalquellen auf, die aufgrund dieser Tatsache ressourcenschonender sind als „künstlich“ angelegte Badeoasen. Allein in Budapest findet man über 100 solcher Quellen.

 

Der Thermalsee von Bad Héviz ist der größte natürliche See mit einer konstanten Temperatur von über 22 Grad Celsius. In der nordungarischen Stadt Miskolc baden Sie in einem natürlichen Höhlenbad mit angenehmen Temperaturen.

Der Grund für Ungarns natürlichen Wasser-Reichtum ist eine Verwerfung (Spalte) in der Erdkruste.

 

Bad Bük, gehört so wie Bad Héviz, Bad Sárvár, Bad Zalakaros zur westungarischen Bäderstraße.

 

Bad Bük ist bekannt für sein gesundheitsförderndes Thermalwasser, das aus vier Quellen sprudelt und bis zu 58 Grad heiß ist. Aufgrund seiner besonderen Zusammensetzung lindert es körperliche Beschwerden. Weniger bekannt ist vielleicht, dass in dieser Region die Trüffel wiederentdeckt wurde, die im frühen 20. Jahrhundert in Vergessenheit geraten ist.

Die Érsek Éden Trüffelmanufaktur bietet ein „Trüffel-Programm“ auch für Privatpersonen an.

Bummeln Sie bei Ihrem Besuch zum Bauernmarkt in Bükfürdő und genießen Sie die Geschmäcker der Gegend. Eine Liste lokaler Produzenten und Kunsthandwerker finden Sie hier.

Anreise:

Bük ist ab Wien mit einmal Umsteigen in Sopron gut an das Bahnnetz angebunden.

 

Der angeblich größte Badekomplex in Europa ist Hajdúszoboszló im Osten von Ungarn, rund 20 km von Debrecen und 200 km von Budapest entfernt. Neben einem Heilbad können sich Familien im Freibad mit Aquapark, Aqua Palace, Schwimmhalle und Co so richtig austoben.

Anreise:

Es gibt ab Wien Verbindungen mit einmal Umsteigen in Budapest (Bahnhofswechsel). Kombinieren Sie Sightseeing in Budapest mit einem Thermenaufenthalt in Hajdúszoboszló oder steigen Sie mehrmals um.

 

Egerszalók, das Tal der Heilwässer liegt einen Katzensprung von Eger entfernt. Der Ort ist für seine Sinterterrassen und sein gesundheitsförderndes Thermalwasser bekannt. Sehen Sie hier ein Kurzvideo über diese einmaligen Salzhügel. Eger selbst hat eine im barocken Stil angelegte Innenstadt und trumpft mit einer Burg, vielen Innenhöfen und verwinkelten Gassen auf. 

Anreise:

Eger ist in knapp zwei Stunden per Zug direkt von Budapest Keleti aus zu erreichen.

 

Meine Unterkunfts-Tipps:

Homoki Lodge

Die Zimmer und Jurten der Homoki Lodge befinden sich in der südungarischen Puszta.

Diese ist geprägt durch einzelne und verstreute Gehöfte, Wälder, Wiesen, Obstgärten, flache Seen und viel „homoki“ (Sand).

Genießen Sie entspannte Tage beim Reiten, Bogenschießen, Radfahren mit einem „Fat bike“ (geeignet für das Querfeldein fahren und auf Sandwegen). Nehmen Sie an einer Puszta Safari teil und erfahren Sie mehr über das Leben von Reh-, Dam- und Rotwild, Füchsen, Wildschweinen, Goldschakalen sowie über Vögel, Amphibien, Insekten und die Pflanzenwelt Südungarns.

Verköstigt werden Sie auf Basis von Bio-Produkten. Die Wände der Homoki Residenz und ihrer Zimmer sind aus einem Lehm- Strohgemisch erbaut und die Dächer aus Akazie und wild wachsendem Schilf.

Hunza Ecolodge

Eine weitere Lodge ist die Hunza Ecolodge,, südlich des Plattensees. Auf 2 Hektar haben Sie genug Platz, um den angrenzenden Wald mit seinen Seen, die zum Baden und Fischen geeignet sind, zu Fuß oder per Rad zu durchstreifen.

Nächtigen Sie in 20 m2 großen Glamping Zelten, wo Ihnen täglich ein Bio-Frühstück gebracht wird, in einem Baumhaus oder kommen Sie mit Ihrem eigenen Wohnmobil oder Zelt.

Die Gastgeber Milady und Roeland haben sich unter einem Apfelbaum in Hunza verliebt. Es dauerte noch ein paar Jahre, bis die beiden den Mut gefasst haben, von Gent nach Ungarn zu ziehen. Mittlerweile sind sie stolze Eltern von zwei Kindern und sie leben die Philosophie Earth Care, People Care und Fair Share.

„Bio-Produkte sollen für ALLE leistbar sein“, so die Gastgeber.

Jeder soll sich einen Urlaub bei ihnen leisten können, um den Unterschied, der eine naturnahe Lebensweise ausmacht, hautnah zu spüren und zu erleben. Bei Nachfrage wird unter Umständen ein „Social Discount“ gewährt.

Es werden Workshops zu nachhaltigem Garteln, mediterraner und osteuropäischer Küche und medizinischer Kräuterkunde angeboten.

Das Paar holt Sie nach Rücksprache vom 7 km entfernten Bahnhof Sásd ab. Von Budapest Keleti gibt es mehrmals täglich Direktverbindungen. Hier finden Sie nähere Informationen.

Ungarns Vogelwelt

Unser Nachbarland ist ein Paradies für Vögel und für Vogelbeobachtungen.

In seinen unzähligen Feuchtbiotopen, Steppen, Wäldern, Seen, Flüssen wie z.B. Donau, Raab und Theiß gibt es knapp 400 unterschiedliche Vogelarten.

Das Land beherbergt die größte Population an Großtrappen (sie zählen zu den schwersten flugfähigen Vögeln) in Mitteleuropa. Im Herbst wird Ungarn von mehr als 100.000 Kranichen besucht.

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Copyright: Hunza Ecolodge

Ég és Föld Borvendégház

Für Weinliebhaber habe ich diesen Unterkunftstipp: Ég és Föld Borvendégház, ein mit großen Glasfronten gebautes Haus für ca. 3 Personen und einen eigenen Weinkeller mit hervorragenden Weinen. Dieses Juwel liegt am Rande der Stadt Szekszárd mit Blick auf den umliegenden Weinbergen.

Anreise nach Ungarn:

Budapest ist bequem ab Wien mit der ÖBB erreichbar. In Ungarn selbst sind viele Orte per Bahn erreichbar. Finden Sie hier den Routenplaner für das ungarische Zugnetz. Hier ist auch das Busnetz miteingebunden.

Mein Reisetipp:

Humtour leitet sich ab von “Humanitarian tourism” und ist ein Reiseveranstalter in einem Vorort von Budapest. Agnes, die Gründerin, hat sich auf nachhaltigen Tourismus spezialisiert und konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte: Team Building, Incentives und Familienerlebnisse.

Besuchen Sie einen Bauernhof und nehmen dabei an einem Kochworkshop teil, lernen Sie, wie Käse und Brot hergestellt werden. Nehmen Sie an Weinverkostungen teil und stellen Sie ihre eigene Schokolade her. Neben eintägigen Ausflügen werden auch mehrtägige Programme mit Übernachtungen angeboten.

 

Tourismusamt:

https://wowhungary.com/

 

Zu meinen Mai Reise-Inspirationen geht´s hier entlang.