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Warum wandern mehr ist, als sich nur fortzubewegen

Wandern kommt aus dem Althochdeutschen „wantōn“ und bedeutet das Hin- und Hergehen.

Wandern aus Lust und Laune ist eine gesellschaftlich relativ neue Erscheinung.

Die Wanderlust beginnt in der Romantik (ca. 1795–1848) als Antwort auf die Industrialisierung und die Urbanisierung der Lebenswelten.

 

Das gemeine Fußvolk wanderte einst nicht aus freien Stücken. Die Fortbewegung per Pferd, Sänfte und später per Kutsche blieb der Oberschicht vorbehalten. Arm oder reich zu sein wurde über den Einsatz der Beine definiert.

Landschaften haben einen großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, unser Empfinden, auf unser Denken und unsere Gefühle.

 

Philosophen und Schriftsteller zog es immer wieder in die Berge und auch die griechischen Götter sind in der Gipfelwelt zu Hause. Ein sehr bekanntes Zitat von Goethe ist: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“ oder vom britischen Schriftsteller Bruce Chatwin: „Der Vorgang des Wanderns trägt zu einem Gefühl psychischen und geistigen Wohlbefindens bei.“

Das zuletzt genannte Zitat zeigt auf, dass Wandern eine Reihe von Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat. Unterscheiden wir zwischen körperlichen und psychischen Effekten.

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Einige körperliche Effekte sind lt. Univ.- Prof. Dr. med. Haller, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, dass wir beim Wandern eine Verbesserung des Zucker- und Fettstoffwechsels haben, sodass es zu einer vermehrten Gefäßbildung kommt und einer verstärkten Bildung von roten Blutkörperchen, zur besseren Sauerstoffaufnahme. Weiters ist Wandern ein gutes Training der Skelettmuskulatur, es führt zu einer Stärkung des Immunsystems und zu einer besseren Fitness und Leistungssteigerung.

 

Wandern ist Balsam für die Seele, wir trainieren unsere Achtsamkeit, unsere Aufmerksamkeit und es ist ein Emotionstraining. Licht, Sonne und die kristallklare Bergluft wirken antidepressiv auf uns, wir werden gelassener. Durch das Gehen finden wir unseren eigenen inneren Rhythmus früher oder später wieder. Wir bestimmen die Dosis selbst und gelangen rasch zu Erfolgserlebnissen. Nach circa 20 Minuten, so Prof. Haller, kommt es beim Bergwandern zu einem Endorphinanstieg, dem körpereigenen Glückshormon.

 

Wir setzen einen Fuß nach dem anderen auf den Boden, stundenlang, lassen die Umgebung auf uns wirken. Durch meditatives Gehen bekommen wir den Kopf vollkommen frei von negativen Gedanken, Ängsten und Sorgen. Das Wandern verbinden wir mit Befreiung, damit wir den Alltag loslassen können. Wir gewinnen Abstand und entdecken im Gegenzug neue Perspektiven und Dimensionen. Es ist eine vorzügliche Form, um Aggressionen abzubauen.

 

Wir sind nicht, so wie im Alltag im Multitasking, sondern konzentrieren uns auf den Weg und uns selbst, damit wir nicht stolpern oder uns verletzen.

In der Natur sind wir keiner permanenten Reizüberflutung ausgesetzt!

 

Werbereklame, hupende Autos oder eine Musik-Berieselung suchen wir vergebens. Beim Wandern entdecken wir die Langsamkeit wieder. Es ist unser persönliches Landschaftskino, in dem wir Regisseur sein dürfen und über den Ablauf entscheiden.

 

Durch Wolkengebilde, jagende Nebel, Stein- und Bergformationen wird unsere Fantasie angeregt. Bizarr wachsende Bäume, einzelne umgefallene Baumriesen, eine Farn- und Mooslandschaft oder Blumenwiesen wecken in uns die kreative Seite.

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Am Ziel fühlen wir uns rundum zufrieden und glücklich. Wir sehen das Ergebnis unserer Anstrengung und der Mühen, die wir in Kauf genommen haben. Unser Selbstwertgefühl wird gesteigert, wir haben ein Erfolgserlebnis. Durch die innerlich befriedigende Wirkung des Wanderns schaffen wir eine tiefe Bindung zwischen uns und der Natur. Wir lernen diese dadurch mehr zu schätzen und mit ihr sorgsam umzugehen.

 

Am Abend, wenn wir erfüllt von Dankbarkeit und Lebensfreude zurückkommen, schlafen wir nach diesem unsere Sinne aktivierenden Tag an der frischen Luft gut ein. 

 

Einige Tipps damit eine Wanderung keine böse Überraschung wird:

Wandern muss nicht, so wie andere Sportarten, erst aufwendig erlernt werden. Jeder von uns kann auf der Stelle ohne aufwendige Ausrüstung loswandern. Die Natur fragt nicht nach einer Kleideretikette. Habe ich das passende Hemd an? Ist mein T-Shirt zur Hose stimmig?

Dennoch ist es wichtig, gut vorbereitet zu einer Wanderung aufzubrechen!

 

  • Starten Sie langsam, um Ihren Kreislauf in Schwung zu bringen.

  • Bei starken Steigungen machen Sie lieber viele kleine und langsame Schritte als wenige große. Wanderstöcke haben den Vorteil, dass Sie beim Bergab gehen Ihre Knie schonen. Vorsicht! Bei ständigem Gebrauch der Stöcke leidet Ihr Gleichgewichtssinn und Ihre Koordination. Setzen Sie Wanderstöcke deshalb nur gezielt ein. 

  • Gehen Sie neue Wanderschuhe unbedingt ein und benutzen Sie gute Wandersocken.

  • Um Vitamin D der Sonne optimal im Körper aufnehmen zu können, cremen Sie sich, je nach Hauttyp, erst nach rund 10 bis 20 Minuten ein.

  • Vergessen Sie nicht zu trinken. Je nach Temperatur und Höhenlage braucht der Körper zwei bis sechs Liter Flüssigkeit am Tag. 

 

 

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Tipps zum Wandern für Familien mit Kindern:

Wandern ist für Kinder oft mit Langeweile verbunden. Ein Gegensatz, da sich Kinder viel und gerne bewegen. Sie sind neugierig und wissbegierig und lieben es, ihr Umfeld und die Natur in ihrem Tempo zu erkunden. Je nach Alter und Ausdauer der Kinder nehmen Sie sich Zeit, stecken Sie sich am Anfang keine „Unbedingt-Ziele“. Wenn Wandern zum Abenteuer wird, macht es Kindern großen Spaß. Ein Baumstamm zum Balancieren, ein Bach zum Spielen, Naturmaterialien wie Zapfen, Stecken, Moos, Steine eignen sich gut für eine kreative Pause.

Horchen, welche Geräusche im Wald zu hören sind, den Boden barfuß zu erkunden oder blind über Moos zu gehen sind nur einige Anregungen. Vielleicht entdecken Sie eine Spinne, die gerade ihr Netz spinnt, oder eine Ameisenstraße? Wo krabbelt dieser oder jener Käfer hin? Ein Blick durchs Fernglas ist auch immer spannend. Erfinden Sie Ihre persönliche Geschichte oder singen Sie ein Lied beim Gehen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

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Der Weg ist bei kleineren Kindern das Ziel und weniger ist oft mehr. Kinder sind schneller erschöpft, aber erholen sich zum Glück auch schneller als Erwachsene.

 

Verhalten bei Gewitter:

Das Wetter in den Bergen ändert sich oft schlagartig. Falls Sie es nicht mehr schaffen, rechtzeitig abzusteigen, verlassen Sie bitte so schnell wie möglich ausgesetzte Geländepunkte (z.B. Gipfel). Halten Sie einen großen Abstand zu Drahtseilen, senkrechten Wänden oder einzelnen Bäumen. Meiden Sie Wasser, entfernen Sie metallische Gegenstände vom Körper und gehen Sie in die sogenannte Kauerstellung. Dabei sind Ihre Füße geschlossen und dicht aneinandergepresst. Halten Sie außerdem von anderen Personen Abstand. Höhlen bieten keinen sicheren Schutz, da sie Wasser führen können. 

Notrufnummern:

Rettung Österreich 144

Alpinnotruf 140

Euronotruf 112

Es gibt sogenannte Erste Hilfe Sets im Handel zu kaufen. Diese bestehen meist aus: Blasenpflaster, Pflaster, Alu-Rettungsdecke, Dreieckstuch, Elastische Binde, Verbandspäckchen, Mullbinden, Wundauflagen, Wunddesinfektion, Leukoplast, Wundsalbe.

 

Für einen respektvollen Umgang mit der Natur:

 

Die Bäuerinnen und Bauern leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer Kultur- und Almlandschaft. Wir bitten Sie, sich als Besucher respektvoll an diese wunderschöne Landschaft anzupassen. Mit der Einhaltung folgender Regeln verhalten Sie sich auf Almen und Weiden richtig.

 

  1. Kontakt zu Weidevieh vermeiden. Tiere nicht füttern, sicheren Abstand halten!

  2. Ruhig verhalten und das Weidevieh nicht erschrecken!

  3. Mutterkühe beschützen ihre Kälber. Begegnung von Mutterkühen mit Hunden vermeiden!

  4. Hunde immer unter Kontrolle halten und an der kurzen Leine führen. Ist aber ein Angriff durch ein Weidetier abzusehen: Sofort ableinen!

  5. Wanderwege nicht verlassen!

  6. Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit möglichst großem Abstand umgehen!

  7. Bei Herannahen von Weidevieh: Bleiben Sie ruhig, weichen Sie den Tieren aus und kehren Sie ihnen nicht den Rücken zu!

  8. Zäune und Tore benutzen und danach wieder schließen!

 

Begegnen Sie den hier arbeitenden Menschen, der Natur und den Tieren wertschätzend!

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Tipps zum Schneeschuhwandern:

 

1.   Was sind passende Schuhe für mich?
Mittelfeste und wasserdichte hohe Schuhe mit griffiger Gummiprofilshohle. Am Abend die Schuhe ausstopfen und nicht am Heizkörper trocknen lassen.

2.   Wie sollen meine Schuhe gefüttert sein?
Gegen die Bodenkälte helfen Sohlen mit Lammfell oder Filzeinlagen. Warme Schisocken anziehen.

3.   Wie schütze ich meine Hosenbeine vor Schnee?
Gamaschen sind ein Wundermittel! Sie verhindern, dass Schnee von oben in die Schuhe eindringt.

4.   Welche Kleidung ist passend für mich?

Die Bekleidung erfolgt nach dem Zwiebelprinzip. Langärmlige Unterwäsche, Pulli und eine funktionelle, wasserabweisende und winddichte Jacke. Handschuhe und Mütze nicht vergessen!

5.   Was packe ich in meinen Rucksack?
Tee in einer Thermoskanne wärmt Hände und Körper, Jause, kleine Unterlage für Pausen, Sonnenbrille, Schlauchtuch, Stirnlampe, Erste Hilfe Set, Handy und Wanderkarte. Wichtig: Die Notfallnummer 112 funktioniert ohne SIM-Karte.

6.   Worauf achte ich bei Winterwanderungen?

Wenn wir uns in der Natur bewegen, sind wir Gäste im Lebensraum der Wildtiere. Bitte nur markierte Wege benutzen und auf den Wegen bleiben. Die Tierwelt befindet sich im Winter im „Slow Modus“.  Wildtiere sind in dieser Zeit besonders auf Ruhe angewiesen. Jede unabsichtliche Störung erhört den Energiebedarf, und Energiereserven, die während des Jahres aufgebaut wurden, schwinden rasch. Wanderungen in der Dämmerung vermeiden.

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